Abflug verpasst? Storch will in Sachsen überwintern

Kirchberg - Hat dieser Storch 'nen Vogel? Während seine Artgenossen in den Süden ziehen, scheint ein gefiederter Kirchberger sein Nest nicht verlassen zu wollen. Doch der Winter könnte dem Storch zum Verhängnis werden ...

Im Kirchberger Ortsteil Cunersdorf macht's ein Storch sich lieber in seinem Nest gemütlich, als in den Süden zu ziehen.
Im Kirchberger Ortsteil Cunersdorf macht's ein Storch sich lieber in seinem Nest gemütlich, als in den Süden zu ziehen.  © Andreas Wohland

Einsam sitzt Meister Adebar auf seinem Schornstein und blickt auf die herbstliche Landschaft hinab. Doch eigentlich sollte der große weiße Vogel gar nicht mehr hier sein.

"Unsere Störche verlassen unsere Region normalerweise Mitte August bis Anfang September", sagt Storchen-Experte Jens Hering (53) von der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Zwickau. Die Störche ziehen dann ins südliche Afrika.

Doch in Deutschland wird das Klima milder: In den vergangenen Jahren passierte es schon mal, dass Störche versuchten, hierzulande zu überwintern. "Es kommt vor, dass Störche den Abflug verpassen", so Hering. Häufig sind Verletzungen oder Verhaltensstörungen der Grund, denn normalerweise haben die Vögel einen starken Zugtrieb.

Das Problem: "Wenn der Winter kalt wird, sterben die Störche. Nur in milden Wintern haben sie die Chance zu überleben." Die größte Gefahr: Eine geschlossene Schneedecke. Durch das Eis kommen sie nicht mehr an ihre Mäuse. Man könne zwar mit Futter aushelfen, doch das berge ein Risiko: "Wenn der Storch den Winter gut überstanden hat, probiert er es im nächsten Jahr vielleicht wieder."

Auch Kirchbergs Bürgermeisterin Dorothee Obst (48) hat schon vom Problem-Storch gehört: "Anwohner haben sich mit dem Naturschutzbund in Verbindung gesetzt. Wir haben hier eine starke Naturschutz-Ortsgruppe." Deren Hilfe könnte der Storch bald brauchen - schon nächste Woche sollen die Temperaturen in den Minusbereich absacken.

Kirchbergs Bürgermeistern Dorothee Obst (48) kennt den einsamen Storch: Naturschützer wurden bereits informiert.
Kirchbergs Bürgermeistern Dorothee Obst (48) kennt den einsamen Storch: Naturschützer wurden bereits informiert.  © Klaus Jedlicka
Ornithologe Jens Hering (53) weiß: Eigentlich sollte der Storch schon längst im Süden sein.
Ornithologe Jens Hering (53) weiß: Eigentlich sollte der Storch schon längst im Süden sein.  © Andreas Kretschel
Einsam sitzt er in seinem Nest auf einem Schornstein: Der gefiederte Kirchberger hat wohl den Abflug verpasst.
Einsam sitzt er in seinem Nest auf einem Schornstein: Der gefiederte Kirchberger hat wohl den Abflug verpasst.  © Andreas Wohland

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