Spielsüchtiger Kripobeamter (31) wurde zum Bandenverbrecher, jetzt fiel das Urteil!

Hamburg - Er sollte das Gesetz hüten, doch machte stattdessen gemeinsame Sache mit Kriminellen: Das Landgericht Hamburg hat am Donnerstag einen kriminellen Kripobeamten zu fast vier Jahren Haft verurteilt.

Der Eingang vom Landgericht Hamburg: Hier wurde ein ehemaliger Kripo-Beamte jetzt verurteilt.
Der Eingang vom Landgericht Hamburg: Hier wurde ein ehemaliger Kripo-Beamte jetzt verurteilt.  © DPA

Der Grund: Zur Finanzierung seiner Spielsucht hat sich ein Hamburger Kripobeamter einer Verbrecherbande angeschlossen (TAG24 berichtete).

Das Landgericht Hamburg verurteilte ihn am Donnerstag wegen schweren Bandendiebstahls, Amtsanmaßung und Bestechlichkeit zu drei Jahren und acht Monaten Gefängnis.

"Als Polizeibeamter hatten Sie eine besondere Vertrauensstellung inne, dieses Vertrauen haben Sie zur Erlangung persönlicher Vorteile missbraucht", sagte die Vorsitzende der Großen Strafkammer, Martina Arndt, an die Adresse des 31-Jährigen.

Der wegen seiner Spielsucht mit rund 60.000 Euro verschuldete Polizist hatte 2017 bei einem Nebenjob als Barkeeper Kontakt ins kriminelle Milieu gefunden. Er erklärte sich für monatlich 1.500 Euro bereit, seinen Komplizen mit dienstlichen Informationen zu helfen.

Wie die Richterin ausführte, verabredeten die insgesamt fünf Angeklagten, Personen zu bestehlen, die Geld aus kriminellen Quellen besaßen. Die Bande erwartete, dass sich die Opfer nicht bei der Polizei melden würden.

Bandendiebstahl, Amtsmissbrauch und Erpressung im Rotlichtmilieu

Ein ehemaliger Polizist aus Hamburg wurde zum Bandenverbrecher und nun verurteilt (Symbolfoto).
Ein ehemaliger Polizist aus Hamburg wurde zum Bandenverbrecher und nun verurteilt (Symbolfoto).  © DPA

Bei einer vorgetäuschten Razzia in einer Wohnung (TAG24 berichtete) im Stadtteil Winterhude erbeuteten sie im Januar 2018 knapp 13.000 Euro.

Allerdings ging bei der Tat einiges schief: Ein unbekannter Tippgeber hatte ihnen ein chinesisches Ehepaar genannt, das angeblich viel Geld mit dem Schwarzhandel von Milchpulver verdiente.

Das Paar war allerdings nicht offiziell gemeldet, was die Ermittlung der Adresse auch für den Kripobeamten schwierig machte. Er stellte den gefälschten Durchsuchungsbeschluss erst auf eine falsche Adresse aus, dann auf eine nur halb richtige.

Die Bande stürmte die Wohnung einer Mutter mit Sohn im Erdgeschoss, bei der aber nichts zu holen war. Bei einem Telefonat klärte sich, dass die anvisierte Beute drei Stockwerke höher zu finden sei.

Nach der Tat meldeten sich die Opfer bei der Polizei und erstatteten Anzeige. Schnell stellte sich nach Angaben eines Gerichtssprechers heraus, dass ein unbekannter LKA-Beamter die Wohnungsdurchsuchung beim örtlichen Polizeikommissariat wie üblich angemeldet hatte.

Die hinterlassene Nummer führte zu einem Prepaid-Handy. Eine Abfrage der Verbindungsdaten brachte den Kripobeamten in Verdacht.

Peinliche Pannen ließen die Verbrecherbande auffliegen

Die Hamburger Polizei musste gegen einen eigenen Mann vorgehen (Symbolbild).
Die Hamburger Polizei musste gegen einen eigenen Mann vorgehen (Symbolbild).  © DPA

Auch bei anderen Taten gingen die Angeklagten nicht sonderlich professionell ans Werk: Zweimal versuchten sie, ein und denselben Geldautomaten in Wandsbek aufzubrechen.

Beim ersten Mal erwies sich das Werkzeug als nicht ausreichend, beim zweiten Mal lösten sie Alarm aus. Der Kripobeamte hatte während der Tat in einem zivilen Polizeiauto gewartet und den Polizeifunk abgehört. Er warnte seine Komplizen rechtzeitig.

Als skurrile Geschichte bezeichnete die Richterin einen Einsatz des Beamten nach einem echten Einbruch. Auf dem Weg zum Tatort nahm er seinen Kollegen aus der Bar als vermeintlichen Polizei-Praktikanten mit. Dann verfuhr sich der Beamte und drückte ordentlich aufs Gas.

Die Folge: Der Dienstwagen wurde geblitzt, das verräterische Foto mit dem falschen Kollegen direkt ans Landeskriminalamt geschickt.

Zugunsten des suspendierten Polizisten wertete das Gericht sein frühes und umfassendes Geständnis. Seine vier Mitangeklagten erhielten zum Teil höhere Strafen: Zwei Männer aus dem Zuhältermilieu (31 und 34) müssen für mehr als vier Jahre ins Gefängnis. Der nur geringfügig vorbestrafte Barkeeper-Kollege (30) wurde zu zwei Jahren und vier Monaten verurteilt.

Der fünfte Angeklagte (32) kam wegen seiner geringeren Tatbeteiligung mit einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und acht Monaten davon. Die Haftbefehle gegen den Polizisten und dessen Barkeeper-Kollegen setzte das Gericht außer Vollzug. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Titelfoto: DPA

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