Kristina Vogel nach ihrem Horror-Unfall: "Behindertenwitze sind erlaubt"

Chemnitz - Ihren dramatischen Unfall wird nicht nur Kristina Vogel (28) selbst nie vergessen: Am 26. Juni 2018 stieß die Bahnrad-Olympiasiegerin beim Training mit einem Kollegen zusammen. Seitdem ist sie querschnittgelähmt. Doch die junge Frau engagiert sich weiter für ihren Sport, will jetzt sogar in die Politik gehen!

Inzwischen gibt es auch eine Barbie-Puppe von der sympathischen Sportlerin
Inzwischen gibt es auch eine Barbie-Puppe von der sympathischen Sportlerin  © DPA

Das erzählte die junge Ex-Sportlerin, die zuletzt für das Chemnitzer Team Erdgas.2012 fuhr, im MDR-Riverboat. An ihren Unfall kann sie sich allerdings nicht wirklich erinnern. "Ich glaube, dass der Körper intuitiv vieles richtig macht. Die Situation vorher weiß ich - und den Moment, als ich auf der Radrennbahn wach wurde. Der Moment des Unfalls selber ist nicht da", sagte Vogel im Gespräch mit Moderatorin Kim Fisher (49).

"Ich glaube aber, das ist ganz gut, weil so kann ich ohne Angst auf den Bahnradsport schauen und meine Ellenbogen für andere Athleten ausfahren in diversen Kommissionen, in denen ich tätig bin. Und den Bahnradsport immer noch als Lebensliebe bezeichnen."

Im Nachhinein betrachtet, sagt Kristina Vogel heute, habe sie besonders ihrem Teamkollegen Max Levy (31) nach dem Unfall viel Verantwortung aufgebürdet hat. "Der erste Moment, den ich für mich wieder habe, ist, als ich auf der Radrennbahn wieder wach werde und erst einmal so überlege und gucke, was um mich herum so passiert. Und der erste Gedanke war: ‚Ok, Kristina, das ist jetzt ernst, konzentriere dich und atme. Atmen, atmen, atmen.‘"

Kristina Vogel hat noch mit den Folgen des Unfalls zu kämpfen, Behindertenwitze sind aber erlaubt.
Kristina Vogel hat noch mit den Folgen des Unfalls zu kämpfen, Behindertenwitze sind aber erlaubt.  © DPA

Max Levy war der erste, der bei Kristina an der Unfallstelle ankam.

"Ich lag abschüssig auf der Bahn und er hat meinen Nacken gehalten. Sie hatten Angst, mich in die Seitenlage zu drehen, weil die wußten, hier ist es ernst. Und ich habe ihn angefleht: ‚Max, lass mich nicht alleine.‘ Und er hat mir in dem Moment die größte Ruhe und Sicherheit gegeben und ich wußte, wenn er bei mir ist, wird das schon wieder gut. Wieviel Last ich ihm in diesem Moment übergeben habe… Ich bin ihm so dankbar, dass er die Last für mich getragen hat."

Aktuell kämpft die ehemalige Sportlerin noch immer mit den Folgen des Unfalls, hat aber schon jetzt jede Menge neue Aufgaben. "Ich kandiere für den Erfurter Stadtrat, auf der CDU-Liste. Ich bin noch nicht eingetreten in die CDU, aber es wird sich zeigen, ob das der richtige Weg für mich ist. Es gibt ja keinen Fraktionszwang."

Ihr Weg in die Politik ist für Vogel ein ganz logischer. "Ich sehe die Welt jetzt nach dem Unfall anders. Als Ex-Sportlerin, Polizistin, die im Rollstuhl sitzt. Das sind drei große Faktoren. Als Polizistin will ich das Thema Sicherheit voranbringen. Als Ex-Sportlerin das Thema Sport - ich finde, Sport kann die Welt verändern. Sport kann viele Grundwerte spielerisch vermitteln. Und Kristina im Rollstuhl sieht viele Dinge, die besser werden können und vielleicht anderen Rollstuhlfahrern oder Mamas mit Kinderwagen helfen können. Das sind Sachen, die ich gern so mitgeben würde."

Übrgiens: Ihren Humor hat die 28-Jährige nicht verloren. "Geht einfach um mit mir, wie vorher auch — und Behindertenwitze sind auch erlaubt! Mein Lieblings-Behindertenwitz: ‚Bleib du mal sitzen‘."

Titelfoto: DPA

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