Kristina Vogel mit emotionalem Ausbruch: "Dann nehmt auch meine Behinderung!"

Erfurt - Stinksauer und sichtlich genervt zeigte sich Bahnrad-Olympiasiegerin Kristina Vogel am Montagabend in einem Video bei Instagram. Grund: Zugeparkte Behindertenparkplätze.

Kristina Vogel zeigte sich in ihrem emotionalen Video den Tränen nah.
Kristina Vogel zeigte sich in ihrem emotionalen Video den Tränen nah.  © Screenshot/Instagram/KristinaVogel

Seit über einem Jahr sitzt Kristina Vogel selber im Rollstuhl, ist nach einem schweren Trainingsunfall querschnittsgelähmt. Dennoch ist in ihrem Leben immer viel los.

Als sie am Montagabend von einem Termin kam, platzte ihr dann bei einer ihrer Erfahrungen in der Stadt der Kragen.

"Vielleicht hasse ich mich in fünf Minuten dafür, dass ich das online gestellt habe, aber ich bin wirklich, wirklich sauer", beginnt sie das Video, das sie mit den Worten "Wie oft ich auf solch Intoleranz stoße.. das macht mich so sauer! Kleiner emotionaler Ausbruch", umschreibt.

Als sie vor einem Termin in Erfurt auf den Parkplatz gefahren war, habe sie wieder feststellen müssen, dass auf den Behindertenparkplätzen Autos standen, in denen kein Behindertenausweis vorhanden war. Als sie später wiederkam, parkte gerade ein Fahrer ein, der augenscheinlich ebenfalls keine Berechtigung hatte, dort zu stehen.

Vogel sprach den Mann an, der konnte den geforderten blauen Ausweis zwar vorzeigen, doch die Erfurterin ist sich sicher, dass der nicht ihm gehört hat! "Leute, zu 100 Prozent war der nicht behindert, der war nicht gehbehindert. Das war die Karte von 'nem Kumpel, Lebensgefährten, Lebensgefährtin - ist ja auch egal, aber der hat da zu 100 Prozent nicht hingehört", beginnt sie ihre emotionale Ansage.

"Wenn ihr meinen Parkplatz nehmt, dann nehmt auch meine Behinderung"

An der Bahn wird man Kristina Vogel in Zukunft nur noch als Zuschauerin und Expertin sehen.
An der Bahn wird man Kristina Vogel in Zukunft nur noch als Zuschauerin und Expertin sehen.  © DPA

Nachdem sie sich nach der Aktion in ihr Auto gesetzt hatte, ging es dann aber gleich weiter. Denn in ihrem Blickfeld parkte auf einmal eine Frau über ZWEI Behindertenparkplätze ein. Auch diese Frau habe sie angesprochen. "Die meinte dann, dass sie gleich wieder wegfahren würde und im Auto säße ja jemand, der das Auto umparken könne."

Nach dieser Aussage platzte Kristina Vogel endgültig die Hutschnur. "Diese Dreistigkeit, die wenigen Behindertenparkplätze, die da sind, auch noch zuzuparken. Das ist mein Nachteilsausgleich, ich hab mir das Leben nicht ausgesucht. (...) Wenn ihr meinen Behindertenparkplatz nehmt, dann nehmt bitte auch meine Behinderung!", sagt sie emotional.

Sie selber achte schon darauf, nicht auf einem Parkplatz für Behinderte zu parken, wenn es nicht nötig sei. Denn Kristina Vogel ist so fit, dass sie meist auch mit normalen Parkplätzen klar kommt. Es gäbe aber einfach Menschen, die ohne einen Behindertenparkplatz nicht aus dem Auto kommen.

"Das ist der Hammer, dass jeder immer zuerst an sich denkt und nicht nach rechts und links guckt", resümiert sie traurig. In so einer Welt wolle sie nicht leben. Wenn sie es sich aussuchen könne, würde sie wieder laufen - aber das werde sie nunmal nie wieder tun.

"Ich komme damit klar, aber nicht mit so einer Ignoranz von anderen für Leute, die es im Leben einfach ein bisschen schwieriger haben", beendet sie ihr über fünf Minuten langes Video.

Aussagen ernten nicht nur Zuspruch

Kristina Vogel war vor ihrem Unfall einer der erfolgreichsten Bahnrad-Fahrerinnen überhaupt.
Kristina Vogel war vor ihrem Unfall einer der erfolgreichsten Bahnrad-Fahrerinnen überhaupt.  © DPA

Über 11.000 Mal wurde das Video mittlerweile angesehen, Hunderte Kommentare finden sich darunter, von denen die meisten Kristina Vogel zustimmen.

"Ich erlebe das auch ständig. Und wenn ich diese Leute darauf anspreche, dass sie auf einem Behindertenparkplatz stehen, werden sie rotzfrech", "Bitte mehr über solche durchaus wichtigen Themen!!!", und "Du hast so recht🙏 Würde ich für jedes"ich bin gleich wieder da"oder ähnliche Aussagen jedes Mal 1€ bekommen wäre ich mittlerweile reich😡", heißt es unter anderem in den Kommentaren.

Auch Snowboard-Olympiateilnehmerin Silvia Mittermüller sprach Vogel Mut zu. "Viele Menschen tun sich so schwer zu sagen “stimmt, sie haben recht, mein Fehler, mach ich nicht wieder nach dieser Erfahrung”. Zu viel Stolz es einzugestehen, vor allem weil es schon passiert ist.", schreibt sie und fügt an: "Daumen hoch, 👍 du machst das generell saugut mit dem Aufmerksamkeits-erzeugen 🙌".

Doch nicht alle sehen in Kristinas Wutrede etwas Gutes, einige Nutzer regen sich darüber auf, dass Kristina einen Mann nur wegen seiner augenscheinlichen Nicht-Behinderung anfeindet. "Bitte mit dem Urteil über ob jemand Schwierigkeiten beim fortbewegen oder im Alltag hat nicht selber urteilen", oder "Ich finde es sehr anmaßend sich die Freiheit zu nehmen über jemanden zu urteilen ob er behindert oder nicht behindert ist!", schreiben einige in die Kommentare.

Egal, ob man Kristinas Wutausbruch gut oder schlecht findet, ein Ziel hat sie mit dem Video definitiv erreicht: Mehr Aufmerksamkeit für die Probleme von behinderten Menschen.

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