Seit Wochen robbt ein Mann barfuß übers Blaue Wunder

Einige Werke sind bereits in der Galerie Damm zu bewundern.
Einige Werke sind bereits in der Galerie Damm zu bewundern.

Von Hermann Tydecks

Dresden - Seit Wochen robbt ein Mann barfuß auf dem Blauen Wunder herum. Er verharrt minutenlang auf der Stelle, kriecht dann ein paar Meter weiter. Passanten bleiben verblüfft stehen.

Der Mann ist Künstler und arbeitet an seinem neuen Werk ...

Wenn Frank-Ole Haake (55) die alten Holzbohlen auf dem Gehweg des Blauen Wunders betritt, zieht er sich die Schuhe aus.

„Ich möchte sie spüren, dem Material nah sein“, erklärt der Dresdner.

Seit Mai ist er hier zugange. „Ich will die alten Bohlen retten“, erklärt er seine Arbeit. Denn bis Oktober erneuert die Stadt den verwitterten Belag, über den seit Anbringung 1991 unzählige Menschen schritten.

Blaue Knie auf dem Blauen Wunder: Künstler Frank-Ole Haake (55) beim Bohlen-Pausen vom Dresdner Wahrzeichen.
Blaue Knie auf dem Blauen Wunder: Künstler Frank-Ole Haake (55) beim Bohlen-Pausen vom Dresdner Wahrzeichen.

„Sie haben ihre Spuren hinterlassen, die ich bewahre.“

Damit meint Herr Haake die Muster, die sich über die Jahre in das Buchenholz gefressen haben. „Ich sehe darin Landschaften, Felder, Himmel, Wasser, Bäume, aber auch Gesichter und Figuren“, freut sich der Künstler.

Mittels Frottage macht er Kunst daraus: Er legt dünnen Zeichenkarton mit Leinölfirnis auf die Bretter, reibt dann mit Stiften darüber, überträgt so die Oberfläche.

Seit Mai sind so 50 Werke in verschiedenen Größen (DIN A1-A5) von schwarzweiß bis bunt entstanden.

Einige Stücke sind schon jetzt in der Galerie am Damm zu sehen. Für die Festwoche „700 Jahre Loschwitz“ sucht er noch einer Ausstellungsmöglichkeit.

Einen Titel für seine ungewöhnliche Kunstaktion hat er bereits: „Die Schönheit zu unseren Füßen.“

Fotos: Thomas Türpe


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