Künstler Opolka bepöbelt und beleidigt, aber...

Hätte sich mehr Politiker vor Ort für den Dialog mit Bürgern gewünscht: Wolfsvater Rainer Opolka (60, l.) im Gespräch mit OB Dirk Hilbert (44, FDP) und Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch (38, Linke).
Hätte sich mehr Politiker vor Ort für den Dialog mit Bürgern gewünscht: Wolfsvater Rainer Opolka (60, l.) im Gespräch mit OB Dirk Hilbert (44, FDP) und Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch (38, Linke).

Von Hermann Tydecks

Dresden - Die umstrittene Wolfs-Kunst am Neumarkt: Über 100 Stunden verbrachte der millionenschwere Künstler vor der Frauenkirche, wurde gelobt, aber auch beleidigt.

„Es war anstrengend, kalt, hat oft geregnet“, sagt Wolfsvater Rainer Opolka (60). „Aber es war beglückend, gelebte Demokratie.“ Seit Montag vergangener Woche ist er mit vier Helfern täglich vor der Frauenkirche. „Wir schätzen die Besucherzahl auf 80.000, verteilten 10.000 Wolfs-Broschüren, sprachen mit 2500 Menschen.“

Die Reaktionen meist positiv. „Viele sagten: Darauf haben wir in Dresden lange gewartet.“

Es gab aber auch Pöbler: „Sie nannten mich ‚Linksfaschist‘ oder ‚Dreckskünstler‘, aber an diese Leute kommt man auch nicht mehr ran.

„Was können wir tun, damit niemand mehr hassen muss?“ Drei dieser Tafeln schrieben Dresdner und Touristen mit ihren Ideen voll.
„Was können wir tun, damit niemand mehr hassen muss?“ Drei dieser Tafeln schrieben Dresdner und Touristen mit ihren Ideen voll.

Mit Dutzenden Pegiden konnte ich aber sachlich diskutieren.“ Und die Wölfe blieben heil: Nur ein paar übergestülpte Merkel-Masken und einige Nazi-Aufkleber wurden entfernt.

Bevor das Wolfsrudel morgen weiter gen Potsdam zieht, spendete Opolka noch 10.000 Euro an die Stadt.

OB Dirk Hilbert (44, FDP) lobte die Kunstaktion als „Einladung, miteinander ins Gespräch zu kommen“, brachte gleich sechs seiner sieben Bürgermeister mit. Die hatte Opolka zuvor vermisst: „Aus eigenen Stücken haben sich bis auf Herrn Hilbert kaum Politiker vorgestellt, Gespräche geführt“, bedauerte Opolka.

„Das ist eigentlich skandalös. Ich mache ja den Job, den normalerweise die sächsischen Politiker machen sollen. Die müssen doch den Dialog mit den Menschen führen ...“

Das Wolfsrudel zieht morgen weiter nach Potsdam und danach in weitere Landeshauptstädte.
Das Wolfsrudel zieht morgen weiter nach Potsdam und danach in weitere Landeshauptstädte.
Auch Tatjana Festerling (52) und PEGIDA-Ed (47) zeigten sich unter den Wölfen, protestierten aber auf ihre Weise.
Auch Tatjana Festerling (52) und PEGIDA-Ed (47) zeigten sich unter den Wölfen, protestierten aber auf ihre Weise.

Fotos: Eric Münch, privat


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