Kultkippe F6 ist heute nur noch Mangelware

Seit 1990 leitet der US-Tabakriese Philip Morris die „f6 Cigarettenfabrik Dresden“ in der Glashütter Straße in Striesen.
Seit 1990 leitet der US-Tabakriese Philip Morris die „f6 Cigarettenfabrik Dresden“ in der Glashütter Straße in Striesen.

Von Hermann Tydecks

Dresden - Einst war Dresden DIE deutsche Dunsthochburg. Heute laufen die Zigaretten nur noch im Striesener Traditionswerk (1900 gebaut) übers Fließband, inklusive des Ost-Renners „F6“. Doch Glimmstängel sind in der Fabrik (400 Mitarbeiter) „out“, machen nur noch sechs Prozent der Produktion aus!

Der US-Tabakriese Philip Morris rüstete auf Tütentabak um.

1990 Jahren übernahm der US-Konzern das Traditionswerk in Striesen.

Zum 25-jährigen Jubiläum gratulierte gestern sogar Dresdens OB Dirk Hilbert (43, FDP, Nichtraucher): „Sie sind einer der großen Arbeitgeber in der Stadt, investierten 170 Millionen Euro in den Standort.“

Frisch vom Fließband: Maschinenführerin Uta Mauksch (57) prüft die f6-Zigaretten auf mögliche Produktionsfehler.
Frisch vom Fließband: Maschinenführerin Uta Mauksch (57) prüft die f6-Zigaretten auf mögliche Produktionsfehler.

Das riesige Werk (Fläche misst über fünf Fußballfelder) setzt längst nicht mehr nur auf Zigaretten (F6, Karo). Seit 2010 hat es sich auf Dreh- und Stopftabak in Tüte und Dose spezialisiert.

Beides macht heute 94 Prozent der Produktion aus! 160 Tabaktüten pro Minute schaffen die hochmodernen laut dröhnenden Beutelpackmaschinen - Weltrekord!

Aus der Jahresmenge könnte man etwa 13 Milliarden Zigaretten drehen.

Uta Mauksch (57) arbeitet mit Unterbrechungen seit 1976 im Traditionswerk.

Den süßlichen Tabakgeruch in den Werkshallen nimmt die Raucherin auch nach Jahrzehnten noch wahr. „Etwa ein Drittel der Mitarbeiter sind Nichtraucher“, schätzt die Maschinenführerin. „Extra Raucherpausen gibt es nicht.“

Fabrikmitarbeiter Michael Lüderitz (53) an der Maschine, die rund 8000 Zigaretten pro Minute (400 Packungen) ausspuckt.
Fabrikmitarbeiter Michael Lüderitz (53) an der Maschine, die rund 8000 Zigaretten pro Minute (400 Packungen) ausspuckt.

Wer mag, kann in der Mittagspause oder den Lärmschutzpausen in Raucherräumen qualmen.

Mitarbeiter (auch Nichtraucher) erhalten ein Deputat von etwa 20 Stangen (etwa F6) im Jahr.

Die glühenden Zeiten sind für die Tabak-Branche allerdings vorbei.

Auch in Striesen muss die Produktion an neue EU-Richtlinien (etwa neue Verpackungs-Warnschilder) angepasst werden:

„Dafür investieren wir in den kommenden Monaten einen zweistelligen Millionenbetrag“, kündigt Werkschef Ingo Jentsch (51) an. „Entlassungen soll es keine geben.“

Jede dritte Zigarette kam einst aus Dresden

Die Zigarettenfabrik Striesen vor der Sanierung 1992.
Die Zigarettenfabrik Striesen vor der Sanierung 1992.

Es war die erste deutsche Zigarettenfabrik: 1862 gründete der russische Fabrikant Joseph Huppmann in Dresden ein Werk („Compagnie Laferme”).

1900 baute Georg Jasmatzi (1846-1922) an der Glashütter Straße das noch heute produzierende Werk! Um die Jahrhundertwende gab es rund 40 Tabakfabriken in der Stadt.

1909 wurde die bekannte Yenidze gebaut (wo bis 1953 Zigaretten hergestellt wurden). In den 30er-Jahren kam jede dritte deutsche Zigarette aus Dresden!

Zu DDR-Zeiten wurde die gesamte Dresdner Produktion an der Glashütter Straße zusammengelegt gelegt (VEB Dresdner Zigarettenfabriken).

Nach der Wende übernahm US-Tabakriese Philip Morris den Standort, modernisierte die Produktion.

Der Dresdner Ingo Jentsch (51) leitet seit 2013 das Traditionswerk in Striesen.
Der Dresdner Ingo Jentsch (51) leitet seit 2013 das Traditionswerk in Striesen.

Fotos: SLUB/Deutsche Fotothek; Petra Hornig


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