"Feine Sahne Fischfilet": Politikerin warnt Bauhaus vor Konzert-Absage

Berlin/Dessau - Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) hat die Absage eines Konzerts der linken Punkband Feine Sahne Fischfilet durch das Bauhaus Dessau kritisiert.

Die Stiftung Bauhaus Dessau will gegen ein Konzert der umstrittenen linken Punkband Feine Sahne Fischfilet (l.) von seinem Hausrecht Gebrauch machen. Kulturstaatsministerin Monika Grütters (r.) warnt vor diesem Schritt.
Die Stiftung Bauhaus Dessau will gegen ein Konzert der umstrittenen linken Punkband Feine Sahne Fischfilet (l.) von seinem Hausrecht Gebrauch machen. Kulturstaatsministerin Monika Grütters (r.) warnt vor diesem Schritt.  © DPA

"Es darf niemals der Eindruck entstehen, dass der Druck der rechtsextremistischen Szene ausreicht, ein Konzert zu verhindern", sagte Grütters am Samstag.

Das Bauhaus Dessau hatte ein vom ZDF dort geplantes Konzert der Punkband am 6. November abgesagt, nachdem rechte Gruppierungen im Internet zum Protest gegen den Auftritt der linken Musiker aufgerufen hatten (TAG24 berichtete). Man wolle kein Austragungsort politischer Agitation und Aggression werden, hieß es.

Grütters sagte, die Kunstfreiheit genieße in Deutschland hohen Verfassungsrang. Dieser Stellenwert sei die Lehre aus der deutschen Geschichte mit dem Angriff auf die Demokratie von rechten und linken Antidemokraten. Die Verantwortung der Künstler zur Verteidigung dieser Freiheit sei unverzichtbar.

"Deshalb müssen wir von allen Beteiligten auch immer wieder einfordern, diese Verantwortung stets wahrzunehmen", betonte sie. "Verwerfungen wie die aktuellen zeigen, wie dringend nötig auch in der Pop-Musikwelt ein ethischer Kompass ist."

Über all dies müsse im Stiftungsrat des Bauhaus Dessau und mit dem ZDF intensiv gesprochen werden.

UPDATE, 17 Uhr: Der diesjährige Vorsitzende des Bauhaus Verbundes, Berlins Kultursenator Klaus Lederer (Linke), schrieb in einem Brief an die Mitglieder des Museumsverbandes, er widerspreche entschieden den Äußerungen der Stiftung Bauhaus Dessau, das Bauhaus sei ein "bewusst unpolitischer Ort". Die Kunstschule fordere nach ihren eigenen Erfahrungen in der Nazi-Zeit und der DDR zu einer klaren Haltung gegen alle Einschüchterungsversuche auf.

Lederer betonte, die Mobilisierung gegen das Konzert sollte als Angriff auf die Kunstfreiheit verstanden werden. "Wir können und wollen die politischen Wurzeln des Bauhauses nicht einfach ignorieren", schrieb er. "Lassen Sie uns also das 100-jährige Jubiläum nutzen, um mit Selbstvertrauen für Kultur und Demokratie einzustehen!" Grütters sagte, das Thema müsse im Stiftungsrat des Bauhaus Dessau und mit dem ZDF intensiv besprochen werden.

Sachsen-Anhalts Kulturminister Rainer Robra (CDU) und das Bauhaus Dessau hatten die Absage erneut verteidigt. Dem Radiosender MDR Kultur sagte Robra, eine politische Konfrontation sei mit dem Bauhaus nicht vereinbar. Die Direktorin des Bauhauses sei in die Überlegungen des ZDF nicht eingebunden gewesen und habe erst am Mittwoch von der Einladung der Band erfahren.


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