Biedenkopf fliegt bei Meissen raus!

Finanzminister Georg Unland (61, CDU).
Finanzminister Georg Unland (61, CDU).

Meissen - Ärger um die Porzellan-Manufaktur Meissen! Alt-Ministerpräsident Kurt Biedenkopf (85) hat den Chefsessel des Manufaktur-Aufsichtsrates nicht freiwillig verlassen. Jetzt schießt er gegen Finanzminister Georg Unland (61, CDU)!

Zwar wollte Kurt Biedenkopf bald seinen Stuhl freiwillig räumen, doch der Finanzminister kam ihm jetzt zuvor.

„Dem Finanzminister war meine Absicht bekannt, dass ich nach der Beratung des Jahresabschlusses 2014 der Staatlichen Porzellanmanufaktur Meissen, für den ich Verantwortung trage, aus dem Aufsichtsrat ausscheiden wollte", erklärte Biedenkopf.

"Die sofortige Abberufung aus dem Aufsichtsrat, zusammen mit meinem Stellvertreter Herrn Franz Ritter und dem Abteilungsleiter Herrn Johann Gierl, hat mich deshalb überrascht. Der Finanzminister hat diese Entscheidung nicht begründet“, teilte Biedenkopf mit.

Ex-Ministerpräsident Kurt Biedenkopf (85).
Ex-Ministerpräsident Kurt Biedenkopf (85).

Das Finanzministerium wollte die Äußerungen nicht kommentieren.

Am Mittwoch hatte Unland in knappen Worten mitgeteilt, dass Biedenkopf nicht mehr Aufsichtsrats-Chef sei und das Gremium verlasse.

Abgelöst worden seien auch sein Stellvertreter Franz Ritter und Johannes Gierl aus dem Finanzministerium. Dies sei das Ergebnis eines Gesprächs gewesen. Der Freistaat ist Eigentümer der Manufaktur.

Knackpunkt für das Zerwürfnis dürfte der umstrittene Wachsstumskurs sein, der Meissen zu einem internationalen Luxuskonzern (Mode, Inneneinrichtung, Schmuck) umbauen soll.

Biedenkopf hatte dies mit Ex-Geschäftsführer Christian Kurtzke vorangetrieben. Der aber war teuer, Millionen an Zuschüssen aus Steuergeldern wurden nötig.

Kurtzke hatte die Manufaktur im Frühjahr verlassen – zum Bedauern von Biedenkopf. Unland dagegen betonte immer wieder, Ziel sei wirtschaftliches Wachstum mit dem Kernprodukt Porzellan.

Dem Aufsichtsrat gehörten eigentlich zehn Mitglieder an, darunter drei Arbeitnehmervertreter. Meißens Oberbürgermeister Olaf Raschke (parteilos) hatte das Gremium im Frühjahr im Streit mit Kurtzke um die Nutzungsrechte der Marke Meissen verlassen.

Das Finanzministerium kündigte an, den Aufsichtsrat schnell neu zu besetzten. In der ersten Sitzung des Gremiums soll dann ein neuer Aufsichtsratsvorsitzender gewählt werden. Dies solle innerhalb der kommenden Wochen geschehen.

Fotos: Steffen Füssel, Thomas Türpe


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