"Kuschelrock"-CD sorgt für Verwirrung: Mann wehrt sich gegen Anklage wegen IS-Propaganda

Erfurt - Im Prozess wegen Terrorpropaganda für den Islamischen Staat und des Aufrufs zum Mord an Juden hat der 22-jährige Angeklagte die Vorwürfe vor Gericht zurückgewiesen.

Auf seinem Facebook-Profil soll der Mann IS-Propaganda geteilt haben. (Symbolbild)
Auf seinem Facebook-Profil soll der Mann IS-Propaganda geteilt haben. (Symbolbild)  © DPA

Er habe den "Islamischen Staat" (IS) sogar kritisiert und beschimpft, sagte er am Montag vor dem Landgericht in Gera. Das Banner, das er in sozialen Netzwerken genutzt habe, sei nicht die Flagge des IS gewesen, sondern eine Fahne des Propheten Mohammed, die von vielen Muslimen verwendet werde.

Der Afghane erklärte, dass er als Jugendlicher Probleme mit Drogen gehabt habe. Nach ersten Kontakten zu einer Moschee in Hamburg habe er viel im Internet über den Islam gelesen. Dabei habe er sich auch mit der Frage beschäftigt, was der Begriff des "Heiligen Krieges" bedeute. Zunächst habe er damit tatsächlich den gewaltsamen Kampf verbunden, inzwischen aber gelernt, dass der Begriff auch bedeuten könne, dass man sich als Muslim verändern und verbessern könne. Dies habe ihm geholfen, sich von den Drogen zu lösen.

Ein als Sachverständiger geladener Islamwissenschaftler versuchte eine Klärung, ob der Angeklagte einer gewalttätigen Ausprägung des Islam anhängt. Eine eindeutige Antwort konnte er jedoch nicht geben. In den Facebook-Profilen des 22-Jährigen seien sehr widersprüchliche Texte zu finden gewesen.

Bedeutsam könnte werden, dass sich der Beschuldigte auf Aussagen der Tabligh-Gemeinschaft bezogen habe. Diese gilt zwar als sehr konservativ, lehne aber Gewalt ab. Wie der Mann sagte, hätten ihn Mitglieder der Gemeinschaft aufgefordert, sich nicht länger mit dem Internet zu beschäftigen.

Der Sachverständige, der auch bei der Durchsuchung der Wohnung des Afghanen durch das Landeskriminalamt Thüringen dabei war, schilderte, dass auch dort sehr unterschiedliches Material gefunden worden war. Neben einer DVD der Zeugen Jehovas entdeckten die Fahnder auch zwei Bibeln, Schriften der Tabligh-Gemeinschaft und auch eine "Kuschelrock"-CD. Insbesondere die Musik-CD lasse sich mit einer salafistischen Einstellung kaum vereinbaren.

Am Nachmittag wollten Verteidigung und Staatsanwaltschaft ihre Plädoyers halten. Ein Urteil könnte ebenfalls noch am Nachmittag verkündet werden.

Update 15.36 Uhr;

Wegen Terrorpropaganda für den Islamischen Staat und des Aufrufs zum Mord an Juden hat das Landgericht Gera den 22 Jahre alten Mann zu einer Freiheitsstrafe von neun Monaten auf Bewährung verurteilt. Die Dauer der Bewährungszeit legte das Gericht am Montag auf zwei Jahre fest.

Titelfoto: DPA

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