Staatsanwaltschaft ermittelt gegen ehemalige KZ-Sekretärin (94)

Itzehoe - 74 Jahre nach Ende von Nazi-Deutschland ist die juristische Aufarbeitung der Zeit nicht abgeschlossen. Jetzt wird gegen eine 94-Jährige ermittelt.

Zwei Besucher gehen am Eingang des Stutthof Museums in Sztutowo (Polen) vorbei. (Archivbild)
Zwei Besucher gehen am Eingang des Stutthof Museums in Sztutowo (Polen) vorbei. (Archivbild)  © dpa/PAP/Piotr Wittman

Bei den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Itzehoe gegen die ehemalige Schreibkraft des Konzentrationslagers Stutthof bei Danzig geht es um den Verdacht der Beihilfe zum Mord.

Überlebende des Lagers seien in Israel und den USA als Zeugen vernommen worden, sagte Oberstaatsanwalt Peter Müller-Rakow am Montag.

Die Frau arbeitete von 1943 bis 1945 als Schreibkraft in dem KZ.

"Die Frage ist, was sie dort geschrieben hat", sagte er.

Sollte die 94-Jährige angeklagt werden, müsste sich wegen ihres damaligen Alters vor der Jugendkammer verantworten.

Die Staatsanwaltschaft sei durch die für die Aufklärung von NS-Verbrechen zuständige Zentralstelle in Ludwigsburg auf den Fall der im Landgerichtsbezirk lebenden Frau aufmerksam geworden, sagte Müller-Rakow.

Diese habe der Behörde 2016 Akten übergeben.

Er konnte keine Angaben darüber machen, ob die 94-Jährige bereits zu den Vorwürfen befragt wurde.

Prozess gegen Ex-SS-Wachmann beginnt Mitte Oktober

Der Schriftzug "Landgericht" steht außen am Gerichtsgebäude von Itzehoe. (Archivbild)
Der Schriftzug "Landgericht" steht außen am Gerichtsgebäude von Itzehoe. (Archivbild)

Vor dem Landgericht Hamburg muss sich vom 17. Oktober an der 92 Jahre alte ehemalige SS-Wachmann Bruno D. wegen Verdachts der Beihilfe zum 5230-fachen Mord verantworten.

Der in der Hansestadt lebende Angeklagte war laut Staatsanwaltschaft von August 1944 bis April 1945 im KZ Stutthof als Wachmann im Einsatz.

Wie die Welt berichtet, soll sich Bruno D. in Vernehmungen im vergangenen Jahr an Einzelheiten wie Hunderte Leichen erinnert haben.

Im KZ Stutthof und seinen Nebenlagern sowie auf den sogenannten Todesmärschen zu Kriegsende starben nach Angaben der Zentralstelle in Ludwigsburg rund 65.000 Menschen.

Titelfoto: dpa/PAP/Piotr Wittman

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