Beihilfe zu 5230-fachem Mord: 92-jährige Zeugin aus Australien sagt aus

Hamburg - Im Prozess gegen einen früheren Wachmann im KZ Stutthof will das Hamburger Landgericht am Dienstag eine Überlebende des Lagers bei Danzig als Zeugin hören.

Der Angeklagte wird in einem Rollstuhl aus dem Gerichtssaal gebracht.
Der Angeklagte wird in einem Rollstuhl aus dem Gerichtssaal gebracht.  © Daniel Reinhardt/dpa

Die 92-jährige gebürtige Polin lebt nach Angaben des Gerichts in Australien und soll über eine Videoschaltung ihre Aussage machen.

Dem 93 Jahre alten Angeklagten wird Beihilfe zum Mord in 5230 Fällen vorgeworfen (TAG24 berichtete).

Durch seinen Wachdienst von August 1944 bis April 1945 soll er "die heimtückische und grausame Tötung insbesondere jüdischer Häftlinge unterstützt" haben.

Zu seinen Aufgaben habe es gehört, die Flucht, Revolte und Befreiung von Gefangenen zu verhindern. Der Prozess läuft seit Mitte Oktober vor einer Jugendstrafkammer, weil der Beschuldigte zur Tatzeit 17 bis 18 Jahre alt war.

Das Gericht hat bereits Überlebende aus Polen und Israel gehört. Zuletzt verlas die Vorsitzende Richterin eine Erklärung eines Norwegers, der in dem Lager inhaftiert war, als der Angeklagte Wachdienst leistete.

Ein Zeuge aus den USA zog seine Nebenklage knapp zwei Monate nach seiner Aussage zurück (TAG24 berichtete). Er hatte angegeben, als Baby in dem KZ gewesen zu sein.

Es waren allerdings Zweifel an der Glaubwürdigkeit des 76-Jährigen aufgekommen.

Der Angeklagte sitzt vor Beginn des Prozesses zwischen seinem Anwalt Stefan Waterkamp (links) und einer Begleiterin im Gerichtssaal.
Der Angeklagte sitzt vor Beginn des Prozesses zwischen seinem Anwalt Stefan Waterkamp (links) und einer Begleiterin im Gerichtssaal.  © Markus Scholz/dpa

Update, 13.30 Uhr

Die jüdische Überlebende des Konzentrationslagers Stutthof hat am Dienstag im Hamburger Prozess gegen den früheren SS-Wachmann ausgesagt.

Nach ihrer Ankunft in dem Lager bei Danzig im September 1944 hätten Aufseherinnen sie bespuckt, getreten und ihr die Nase gebrochen, berichtete die 92 Jahre alte Zeugin Halina Strnad über eine Videoverbindung aus Melbourne. Sie habe gehört, wie eine Wächterin an der Tür ihrer Baracke sagte: "Da haben wir unsere Untermenschen!"

Die gefangenen Frauen hätten im Stroh auf dem Boden gelegen. Die Bedingungen seien so schlimm gewesen, dass von den 100 bis 200 Gefangenen in ihrer Baracke nur 20 bis 25 die Räumung des Lagers vor Kriegsende erlebten. "Wir sahen aus wie Untermenschen", sagte Strnad.

Vom nahen Wachturm aus hätten die SS-Männer sehen können, wie die Häftlinge geschlagen wurden oder zur Bestrafung lange Zeit beim Appell stehen mussten.

Titelfoto: Daniel Reinhardt/dpa

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