Festnahmen, Fäkalien fliegen: Die Lage im Hambacher Forst eskaliert

Kerpen - Die Klima-Aktivisten wehren sich im Hambacher Forst gegen die Räumung der Baumhäuser. Es kam zu Festnahmen. Polizisten wurden mit Fäkalien beworfen.

Die Polizisten haben Schutz-Anzüge wegen der Fäkal-Attacken angelegt.
Die Polizisten haben Schutz-Anzüge wegen der Fäkal-Attacken angelegt.  © Polizei Aachen/Twitter

Die Einsatzkräfte der Aachener Polizei schützen sich gegen den Fäkalien-Bewurf mit Schutzanzügen. "Diverse Eimer wurden bereits aus den Baumhäusern entleert und verbreiten einen heftigen Gestank", twitterte die Polizei.

Mittlerweile wurde mit der Räumung eines der größten Baumhausdörfer begonnen. Der Weg in die Siedlung "Oaktown" wurde verbreitert, um schweres Gerät in den Wald zu bringen.

Die Bewohner von "Oaktwon" warfen der Polizei vor, dabei etwa 20 Bäume gefällt zu haben, darunter auch einige sehr alte. Der Protest der Braunkohlegegner erreichte am Freitagmorgen auch die Hauptstadt (TAG24 berichtete). NRW-Innenminister Herbert Reul kritisierte die Waldbesetzer unterdessen scharf und sieht im Wald "kriminelles Personal" am Werk.

Im Baumhausdorf "Oaktown" gibt es etwa sechs bis acht Baumhäuser. "Ich bin schwankend zwischen Trauer und Fassungslosigkeit", sagte Baumhausbewohner Clumsy der Deutschen Press-Agentur (dpa) am Freitag.

Er kündigte an, sich an einem Betonblock festketten zu wollen. Die Polizei bestätigte einzelne Baumfällungen. Ihren Angaben zufolge wurden zehn Aktivisten wegen Widerstandshandlungen und Landfriedensbruch in Gewahrsam genommen. 18 andere wurden weggetragen.

Gericht prüft Beschwerde gegen Entscheidung zur Räumung

Aktivisten warten auf die Räumung der Baumhäuser.
Aktivisten warten auf die Räumung der Baumhäuser.  © Horst Konopke

Am Donnerstag hatte die Polizei mit der umstrittenen Räumung der Baumhäuser von Umweltschützern und Braunkohlegegnern begonnen. Der Energiekonzern RWE will im Herbst weite Teile des Waldes abholzen, um weiter Braunkohle baggern zu können.

Die Baumhäuser der Besetzer gelten als Symbol des Widerstands gegen die Kohle und die damit verbundene Klimabelastung.

Als Begründung für die Räumung führen die Behörden nicht den geplanten Braunkohleabbau an, sondern fehlenden Brandschutz in den Baumhäusern. Die Umweltaktivisten halten das für vorgeschoben.

Beim Oberverwaltungsgericht (OVG) des Landes Nordrhein-Westfalen lag am Freitag eine Beschwerde gegen die Eilentscheidung des Verwaltungsgerichts Köln zur Räumung der Baumhäuser vor.

Das Gericht in Köln hatte die Räumung der Baumhäuser durch die Stadt Kerpen als rechtmäßig bezeichnet. Der zuständige Senat prüfe jetzt, sagte eine Sprecherin des OVG. Mit einer Entscheidung sei im Laufe des Tages zu rechnen.

OVG Münster lehnt Stopp der Räumung ab

Ein Polizist steht im Hambacher Forst auf dem Dach eines von Aktivisten gebauten Hauses.
Ein Polizist steht im Hambacher Forst auf dem Dach eines von Aktivisten gebauten Hauses.  © Horst Konopke

Das Oberverwaltungsgericht in Münster lehnte einen Stopp der Räumungen ab. Die Baumhäuser seien Rückzugsorte für gewaltbereite Waldbesetzer, hieß es.

Das OVG schloss sich damit der Meinung des Verwaltungsgerichts Köln an, das am Donnerstag in einem Eilverfahren eine Beschwerde gegen die Räumung durch die Stadt Kerpen zurückgewiesen hatte. (TAG24 berichtete)

Update, 19 Uhr: Unter einer Hütte im Hambacher Forst wurde am Abend eine Person aus einem Erdloch geborgen. Sie hatte sich dort mittels Lock-On angekettet. Die Arbeiten dauern an.

Update, 22.13 Uhr: Aktivisten wollen am Wochenende weiterprotestieren

Im Hambacher Forst hat die Polizei am Freitag insgesamt 17 Menschen in Gewahrsam genommen. Wie die Polizei Aachen am Abend mitteilte, wurden von den bereits am Donnerstag festgenommen sechs Personen fünf wieder auf freien Fuß gesetzt.

Am Abend demonstrierten nach Polizeiangaben ungefähr 200 Menschen am Hambacher Forst für dessen Erhalt. Am Wochenende wollen Aktivisten weiter protestieren, so ist für Sonntag das Anpflanzen Hunderter junger Bäume geplant.

Titelfoto: Polizei Aachen/Twitter


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