"Land des Honigs": Nervige Familie stellt das Leben einer hart arbeitenden Frau auf den Kopf!

Deutschland - Hartes Leben! Der mehrfach preisgekrönte Dokumentarfilm "Land des Honigs" von den Regisseuren Ljubomir Stefanov und Tamara Kotevska läuft seit dem 21. November in den deutschen Kinos und stellt eine ungewöhnliche Frau in den Mittelpunkt.

Hatidze führt ein genügsames Leben, die Natur ist ihre Heimstatt. Dies verrät auch ihr kleines und schlicht ausgestattetes Steinhäuschen.
Hatidze führt ein genügsames Leben, die Natur ist ihre Heimstatt. Dies verrät auch ihr kleines und schlicht ausgestattetes Steinhäuschen.  © PR/© Neue Visionen Filmverleih

Die 1964 geborene Hatidze lebt in einem kleinen Dorf in Mazedonien. Ihr Leben steckt voller Herausforderungen.

Trotz ihres Alters klettert sie regelmäßig ungesichert einen Berghang hinauf und sammelt ungeschützt Honig von verschiedenen Bienenvölkern ein, die in den Felsspalten leben.

Sie lässt ihnen immer genug übrig und nimmt nur die Waben heraus, die sie benötigt, lebt also im Einklang mit den Insekten. Den Honig verspeist sie teilweise auch selbst oder verkauft ihn auf dem Markt in der Hauptstadt Skopje, wo sie mit dem Zug hinfährt.

Die Regisseure folgen ihr mit der herausragenden Kamera von Fejmi Daut und Samir Ljuma dabei auf Schritt und Tritt. Ihnen gelingen einzigartige Einblicke und Aufnahmen der weiten und abwechslungsreichen Berglandschaften - das ist wirklich imposantes Kino!

So wird das heruntergekommene, einfache Dorf von einem Hauch Melancholie umweht, während die Blütenvielfalt drumherum einem Paradies gleicht.

Das ist es jedoch nur bedingt. Denn die einzige Gesellschaft von Hatidze sind neben den Bienen, Hunden, Katzen - und ihre 85-jährige Mutter Nasife, die seit vier Jahren ans Bett ihrer kleinen Steinhütte gefesselt ist.

"Land des Honigs" geht als nordmazedonischer "Oscar"-Kandidat ins Rennen

Am Ende des Tages ist Hatidze sicher: der Mensch und die Natur gehören zusammen. Wenn diese Balance gestört wird, werden die Gefahren unberechenbar.
Am Ende des Tages ist Hatidze sicher: der Mensch und die Natur gehören zusammen. Wenn diese Balance gestört wird, werden die Gefahren unberechenbar.  © PR/© Neue Visionen Filmverleih

Sie ist halbblind, taub und gelähmt, weshalb Hatidze sich intensiv um sie kümmern muss. Auch deshalb kommt es zwischen den beiden immer wieder zu Streitereien. Dennoch ist ihre gegenseitige Liebe offensichtlich.

Diese unverstellten Momente zwischen Tochter und Mutter sind die stärksten und bewegendsten im gesamten Film, der auch als nordmazedonischer "Oscar"-Beitrag für das kommende Jahr ins Rennen geht.

Denn in diesen intimen Szenen nehmen beide kein Blatt vor den Mund. Sie sprechen (in einer alten türkischen Landsprache) über das Leben, ihre Ängste, Entscheidungen und Chancen. Auch ihre Armut wird thematisiert.

Dieser Alltag wird dann jedoch völlig auf den Kopf gestellt. Eine laute Nomadenfamilie zieht nebenan ein. Vater, Mutter, sieben Kinder, ein Wohnwagen und 150 Kühe bevölkern nun das bislang so ruhige Dorf.

Bis auf wenige Momente sind einem gerade Mutter und Vater äußerst unsympathisch. Sie droht ihren Kindern, sie "grün und blau zu schlagen", er versteht im Gegensatz zu Hatidze wenig von der Natur und bringt im Dorf deshalb vieles aus dem Gleichgewicht, womit er die Bienen und auch ihre Grundlage gefährdet.

Die Nomadenfamilie in "Land des Honigs" ist äußerst anstrengend

Hatidze kümmert sich nicht nur um die Bienen, sondern auch um ihre altersschwache Mutter. Obwohl das Zusammenleben manchmal anstrengend wird, sind die zwei Frauen ein liebe- und respektvolles Team.
Hatidze kümmert sich nicht nur um die Bienen, sondern auch um ihre altersschwache Mutter. Obwohl das Zusammenleben manchmal anstrengend wird, sind die zwei Frauen ein liebe- und respektvolles Team.  © PR/© Neue Visionen Filmverleih

Diese empfindliche Balance ist ein weiterer wichtiger Aspekt dieser außergewöhnlichen Doku, die aber leider ihre Durchhänger hat, weil gerade die beinahe dauerschreiende Großfamilie einen äußerst negativen Eindruck hinterlässt, szenenweise sogar richtig nervt und wütend macht.

Ihre aus Überforderung und Unwissen entstehenden Handlungen sind mitunter extrem anstrengend mit anzusehen.

Kopfschüttelnd betrachtet man die neun Personen, wie sie vor den Tieren die großen Macker markieren, sich um diese aber nicht mal richtig kümmern können, obwohl Hatidze ihnen anfangs hilft, wo sie nur kann und um ein friedliches Zusammenleben bemüht ist.

Diese positive Einstellung verändert sich im späteren Verlauf allerdings, weil sie ihre Lebensgrundlage bedrohen und Hatizde die Hände gebunden sind.

Daher ist man erleichtert, dass es zwischendurch immer wieder Szenen gibt, in denen nur Hatizde und ihre Mutter zu sehen sind, weil das Niveau deutlich höher ist und man auch emotional viel stärker mitgerissen wird.

Insgesamt ist "Land des Honigs" ein interessanter, exotischer und aktueller Dokumentarfilm geworden, bei dem der Funke aber leider nicht vollends überspringt. Wer auf wunderschöne, zeitlose Naturaufnahmen steht und eine Geschichte über die empfindliche Balance der Umwelt sehen möchte, ist hier aber an der richtigen Stelle.

Hatidze und die Bienen: eine grandiose Geschichte über das friedliche Zusammenleben von Mensch und Tier.
Hatidze und die Bienen: eine grandiose Geschichte über das friedliche Zusammenleben von Mensch und Tier.  © PR/© Neue Visionen Filmverleih

Titelfoto: PR/© Neue Visionen Filmverleih

Mehr zum Thema Kino & Film News:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0