Mehrfach zugestochen! Streit unter Afghanen wegen Zwangsheirat

Darmstadt - Das Landgericht Darmstadt hat einen geständigen Afghanen wegen Mordversuchs im Jahr 2009 in Offenbach zu zwölf Jahren Haft verurteilt.

Wegen einer Zwangsehe gerieten die Männer in Streit, dann zückte einer der beiden ein Messer (Symbolbild).
Wegen einer Zwangsehe gerieten die Männer in Streit, dann zückte einer der beiden ein Messer (Symbolbild).  © 123RF

Das Gericht setzte den Strafrahmen nach unten, weil die Tat damals spontan erfolgte und das Opfer, ein 40 Jahre alter afghanischstämmiger Ingenieur aus Dietzenbach im Kreis Offenbach, überlebte.

Dass der heute 50 Jahre alte Täter, wie von ihm behauptet, vor dem Streit über die Zwangsverheiratung der Schwester seines Opfers rund einen Liter Wodka und Whiskey getrunken hatte, glaubte ihm die Kammer jedoch nicht. Mit dem Urteil am Montag folgte das Gericht dem Plädoyer der Verteidigerin, die die Tat aber auch als Mordversuch gesehen hatte. Die Staatsanwaltschaft hatte auf lebenslange Haft plädiert.

Der Angeklagte und das Opfer kennen sich. Die schon länger in Deutschland lebende Familie des Ingenieurs hatte vor 14 Jahren dem 50-jährigen einen Anwalt bezahlt, der ihn damals aus der Abschiebehaft holte. Täter und Opfer hatten sich am 1. Mai 2009 in Offenbach bei einem Konzert mit afghanischer Musik zufällig getroffen, waren sich Gericht, Anklage und Verteidigung über den Tatablauf einig.

Der Angeklagte lotste nach Auffassung des Gerichts das spätere Opfer für ein Gespräch etwas abseits. Dort forderte er, dass die 17 Jahre alte Schwester des Ingenieurs einen bestimmten Mann heiraten müsse, weil das von einem Großvater so beschlossen worden sei.

Nachdem der Geschädigte darauf hingewiesen hatte, dass die Schwester das nicht wolle, griff der Angeklagte überraschend mit einem großen Messer, möglicherweise einer Machete, an. Durch die Stiche und Schnitte wurde das Opfer am Herzbeutel, am Magen, an der Leber, den Rippen und am linken Arm, wo auch Elle und Speiche gebrochen wurden, sehr schwer verletzt. Dass man so etwas überlebe, sei "extremst selten", hatte der rechtsmedizinische Gutachter festgesetzt.

"Hier gelten nicht die Gesetze Ihrer Heimat", sagte der Vorsitzende Richter Volker Wagner zum Angeklagten mit Blick auf die versuchte Verheiratung. Der Prozess fand neun Jahre nach der Tat statt, weil der Angeklagte 2009 in Tschechien und Frankreich untergetaucht war.

Als er im November 2017 versuchte, nach Deutschland einzureisen, wurde er erkannt und festgenommen.

Titelfoto: 123RF


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