Dreiste Diesel-Masche: Händler soll Fiskus um fast eine Million Euro geprellt haben

Das Unternehmen aus Bitterfeld soll Kraftstoff verkauft, es aber als steuerfreies Schmieröl deklariert haben (Symbolbild).
Das Unternehmen aus Bitterfeld soll Kraftstoff verkauft, es aber als steuerfreies Schmieröl deklariert haben (Symbolbild).  © DPA

Halle (Saale) - Ab Mitte September geht es am Landgericht Halle um Steuerhinterziehung im großen Stil. Neun Männer und eine Frau sollen Diesel als steuerfreies Schmieröl verkauft und so fast eine Million Euro Steuern am Fiskus vorbeigeschleust haben.

Der Fall ist kompliziert, die Anklageschrift dick wie ein Buch. Beschuldigt sind acht Männer und eine Frau im Alter zwischen 45 bis 75 Jahren. Ihnen wird Steuerhinterziehung in 74 Fällen vorgeworfen.

Kopf der mutmaßlichen Bande soll ein 69-jähriger Inhaber eines Bitterfelder Mineralölhandels sein. Laut Anklage kaufte er von einer litauischen Firma mit Sitz in Burg als Schmieröl getarnten Diesel.

Das Unternehmen stellte die vermeintlichen Schmierstoffe her und verkaufte diese als Kraftstoff weiter, ohne die dafür fällige Energiesteuer zu entrichten.

Die Firma des angeklagten 69-Jährigen erhielt von dem Unternehmen aus Burg insgesamt zwei Millionen Liter Kraftstoff. Im Tanklager angekommen, wurde der als Schmieröl getarnte Diesel an freie Tankstellen und Baufirmen verkauft und ausgeliefert.

Auf diese Weise sollen der 69-jährige und die übrigen acht Angeklagten Energiesteuern in Höhe von 970.000 Euro hinterzogen haben. Ihre Tat versuchten sie mithilfe fingierter Rechnungen zu verschleiern, so die Anklage. Dabei soll der 69-jährige Unternehmer das kriminelle Geschäft mit Unterstützung von zwei weiteren Angeklagten, die bei der Bitterfelder Firma tätig waren, gesteuert haben.

Er und die von ihm gelenkten Unternehmen hätten mit rund 300.000 Euro von den hinterzogenen Steuern profitiert. Die übrigen Angeklagten sollen an verschiedenen Stellen mit der Abwicklung der Geschäfte befasst gewesen und ebenfalls am Gewinn beteiligt worden sein.

Der 69-Jährige sowie seine beiden mutmaßlichen Helfer haben sich bisher nicht zu den Vorwürfen geäußert. Die übrigen Angeklagten haben die Anschuldigungen größtenteils zurückgewiesen.

Im Fall einer Verurteilung drohen bis zu 5 Jahre Haft.


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