Welche Sachsen-Dörfer fallen der Braunkohle noch zum Opfer?

Die Dinosauriertechnik ist mitverantwortlich für die hohe Kohlendioxid- und Quecksilber-Belastung in Deutschland. (Symbolbild)
Die Dinosauriertechnik ist mitverantwortlich für die hohe Kohlendioxid- und Quecksilber-Belastung in Deutschland. (Symbolbild)

Groitzsch - Nach dem Ausstieg von Vattenfall aus der Lausitzer Kohle dürfen 1500 Menschen ihre Heimat behalten. Im Leipziger Südraum hingegen fressen die Schaufelräder noch weitere Dörfer, wenn es nach dem dortigen Kohlekonzern Mibrag geht.

Auf der Gemarkung der Stadt Groitzsch sollen möglichst schnell Nägel mit Köpfen gemacht werden, bevor Deutschland wegen der ehrgeizigen Klimaziele den Ausstieg aus der Braunkohle endgültig besiegelt.

Mit Heuersdorf wurde ab 2007 das letzte Dorf im Leipziger Südraum der Braunkohle geopfert. Im Heuersdorf-Gesetz wurde durch den Landtag festgestellt, dass durch das Opfer andere Dörfer gerettet würden und nicht mehr zur Disposition stehen - unter anderen Pödelwitz und Obertitz.

Das alles erscheint nun aber nur als Geschwätz von gestern. Mibrag-Chef Armin Eichholz sagte jetzt der "Leipziger Volkszeitung": „Die Förderung der Kohle im Groitzscher Dreieck ist existenziell - ohne die Inanspruchnahme von Obertitz wirtschaftlich nicht darstellbar.“

Das gleiche gelte für die Ortslage Pödelwitz, dass dem Tagebau Schleenhain zum Opfer fallen soll.

Susanne Heinzelmann wohnt nun seit 10 Jahren in Obertitz. Die Mibrag will die Dorf-Idylle devastieren.
Susanne Heinzelmann wohnt nun seit 10 Jahren in Obertitz. Die Mibrag will die Dorf-Idylle devastieren.  © Ralf Seegers

Obwohl der Antrag zum Abbaggern frühestens 2019 eingereicht wird, schafft die Mibrag in Pödelwitz bereits jetzt Tatsachen: Knapp 100 der einst 130 Bewohner wurde eine Umsiedlung schmackhaft gemacht.

Die 34 verbliebenen Einwohner müssen mit zusehen, wie die Mibrag ihr Dorf verfallen lässt und die Verwüstung vorbereitet.

Der Groitzscher Bürgermeister Maik Kunze (CDU) will sich schützend vor das 50-Seelen-Dorf Obertitz stellen.

„Weitere 17 Ortsteile wären bis 2050 vom Bergbau betroffen. Die dazu notwendigen Maßnahmen wie Schutzpflanzungen sind bis heute durch die Mibrag ausgeblieben!“

Bei Heuersdorf argumentierte die Mibrag, dass sie das Kraftwerk Lippendorf bis 2040 aus der Region befeuern muss. Allerdings hat sie in den letzten Jahren Millionen Tonnen Kohle aus der Region exportiert - unter anderem nach Tschechien, wo das Abbaggern der Dörfer gesetzlich verboten wurde.

Felix Ekardt, Chef des BUND Sachsen: „Profitgier darf kein hinreichender Grund für die Zerstörung der Dörfer und den weite- ren Kohleabbau sein.“

Maik Kunze (CDU), Bürgermeister von Groitzsch, will seine Dörfer vor den Baggern schützen.
Maik Kunze (CDU), Bürgermeister von Groitzsch, will seine Dörfer vor den Baggern schützen.
Vor dem Kohlestopp will Mibrag-Chef Armin Eichholz noch schnell die Grenzen ausreizen.
Vor dem Kohlestopp will Mibrag-Chef Armin Eichholz noch schnell die Grenzen ausreizen.

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