Warum verkauft ein sächsischer Landkreis diese niedlichen Katzen?

Das Landratsamt hat zwölf Katzen und zwei Hunde aus der Verwahrlosung gerettet. Nun will die Behörde die Tiere verkaufen.
Das Landratsamt hat zwölf Katzen und zwei Hunde aus der Verwahrlosung gerettet. Nun will die Behörde die Tiere verkaufen.  © Landratsamt Landkreis Leipzig

Borna/Wurzen - Dass Städte und Landkreise Fahrräder und Fundsachen versteigern, ist allseits bekannt. Der Landkreis Leipzig sorgt derzeit mit einer etwas anderen Veräußerung für kontroverse Diskussionen: Zum Verkauf stehen Katzen und Hunde.

Am 27. Juni können Interessenten zwölf Katzen und zwei Hunde im Berufsschulzentrum in Wurzen käuflich erwerben. Käufer benötigen dazu einen Ausweis und eine geeignete Transportbox.

Nach eigenen Angaben rettete der Landkreis die Tiere aus der Verwahrlosung. Ein artgerechtes und sorgloses Leben konnten die Hunde und Katzen bei ihrem bisherigen Besitzer nicht mehr führen. Nun werden unter anderem im Netz Stimmen laut, die die Verkaufsaktion des Landkreises Leipzig scharf kritisieren.

Doch so einfach ist die Sache nicht, denn das Landratsamt sieht keine andere Möglichkeit. "Wenn wir Tiere aus der Verwahrlosung holen oder den Besitzern wegen sonstiger Tierschutzverstöße wegnehmen, müssen wir klare Vorgaben einhalten", erklärt Brigitte Laux, Sprecherin des Landratsamtes.

Derzeit befinden sich die Tiere in Tierheimen im Landkreis Leipzig. Dort wurden sie wieder aufgepeppelt (Symbolbild).
Derzeit befinden sich die Tiere in Tierheimen im Landkreis Leipzig. Dort wurden sie wieder aufgepeppelt (Symbolbild).  © DPA

"Nehmen wir die Tiere in unsere Obhut, springen wir in Sachen Pflege und Unterbringung für den Halter ein. Da es sich um Steuergelder handelt, sind wir dazu angehalten, die Kosten zumindest zu minimieren", so Laux. Deshalb veräußere man die Tiere auf diesem Weg.

Natürlich sei allen Beteiligten klar, dass eine solche Aktion kaum etwas einbringe. Da die Tierheime und Pflegestellen ziemlich voll seien, gehe es vor allem darum, möglichst schnell ein neues Zuhause für die Katzen und Hunde zu finden. Tiere, die bei der Verkaufsaktion in Wurzen keinen neuen Besitzer finden, blieben in den Tierheimen, so Laux weiter.

Auf jeden Fall will die Behörde ihre Verantwortung gegenüber den Tieren nicht schleifen lassen. Man wisse sehr genau, wo die Tiere nicht hingehen sollten und könne die gespeicherten Personalien auch für Nachkontrollen bei den neuen Besitzern nutzen, verspricht Laux.

Nicole Köhler von der Tierhilfe Leipzig Land sieht den Tier-Verkauf trotzdem kritisch: "Nach unseren Informationen gibt es diese rechtliche Grundlage für das Vorgehen des Landratsamtes. Wir finden es dennoch sehr schade, dass sich das Amt in diesem Fall als 'Tierhändler' betätigt." Neben dem eigentlichen Verkauf kritisiert die Tierschützerin vor allem, dass auch unkastrierte Katzen verkauft werden sollen.

Das Prüf-Versprechen kann Köhler nicht so recht glauben: "Angesichts der mangelnden zeitlichen und personellen Kapazitäten kann man mir nicht erzählen, dass hinterher engmaschige Überprüfungen der Besitzer möglich sind", so Köhler. Die Tierhilfe Leipzig Land hätte dem Landratsamt mehrfach angeboten, bei der Beschlagnahmung und Unterbringung verwahrloster Tiere zusammenzuarbeiten. Zumindest in diesem Fall habe sich bei ihr niemand gemeldet. Nun habe man kaum noch Plätze frei.

Nicole Köhler und die Tierhilfe Leipzig Land wollen sich mit dem Verkauf so nicht abfinden und suchen derzeit weiter das Gespräch mit den Verantwortlichen.


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