Experte sicher: Davon hat die AfD bei der Landtagswahl Sachsen profitiert

Leipzig - Bei der Landtagswahl in Sachsen haben nach Expertenmeinung vor allem Menschen ihre Stimme für die AfD abgegeben, die normalerweise gar nicht wählen würden.

Holger Lengfeld, Soziologe an der Uni Leipzig, hat sich zum starken Abschneiden der AfD bei der Sächsischen Landtagswahl zu Wort gemeldet.
Holger Lengfeld, Soziologe an der Uni Leipzig, hat sich zum starken Abschneiden der AfD bei der Sächsischen Landtagswahl zu Wort gemeldet.  © Universität Leipzig

Auch das Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen CDU und AfD während des Wahlkampfes habe Wähler mobilisiert, vermutete Soziologe Holger Lengfeld. "Es ist immer besser, wenn sich Unzufriedenheit in Wahlen niederschlägt, als wenn die Leute nicht wählen gehen", sagte der Wissenschaftler der Universität Leipzig der Deutschen Presse-Agentur.

Er sieht die Grünen als "zweite Gewinner" der Wahl. "Die Parteien, die bezüglich wertepolitischer Fragen Gegenpositionen einnehmen, verzeichnen die größten Zuwächse", ordnete Lengfeld ein. Diese Gegenpole seien auch schon bei Bundestagswahl und Europawahl deutlich geworden.

Überraschend am Wahlergebnis der Landtagswahl in Sachsen sei besonders, dass die AfD auch im Vergleich zur Bundestagswahl 2017 noch einmal zulegte. Das führte der Soziologe auf fehlende Anerkennung gerade in Ostdeutschland zurück. "Gerade im ländlichen Raum fühlen sich die Menschen infrastrukturell abgehängt. Davon hat die AfD profitiert", sagte Lengfeld.

Für das schlechte Abschneiden der Linken und der SPD machte er die Lager innerhalb der Parteien verantwortlich. "Sie sind in sich gespalten und deshalb gelingt es ihnen weniger, Leute zu überzeugen für sie zu stimmen", ordnete Lengfeld ein. Auch die "herausragend gute wirtschaftliche Situation" trage nicht dazu bei, dass die Menschen für soziale Belange stimmten, vermutete er.

Nun müssten die politischen Eliten versuchen, das Vertrauen der Wähler wieder zu gewinnen. Eine "intensive Sachauseinandersetzung mit den Motiven der Wähler" sei unerlässlich.

Freute sich über 27,5 Prozent der sachsenweiten Stimmen und Platz 2 hinter der CDU: AfD-Spitzenkandidat Jörg Urban.
Freute sich über 27,5 Prozent der sachsenweiten Stimmen und Platz 2 hinter der CDU: AfD-Spitzenkandidat Jörg Urban.  © Michael Kappeler/dpa

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