Rico Gebhardt von den Linken will weiter für die kleinen Leute kämpfen

Ostritz - Am 1. September ist Landtagswahl - diesmal wird die Abstimmung so spannend wie nie! Die Dauer-Dominanz der CDU ist dahin - schafft es die AfD, an ihr vorbeizuziehen? Und was bedeutet das für die Regierungsbildung? Können die Grünen vom starken Interesse am Klimaschutz profitieren? Wird es die FDP in den Landtag schaffen? In loser Folge begleitet TAG24 Spitzenkandidaten der aussichtsreichsten Parteien. Heute: Rico Gebhardt (56, Linke).

Vor dem Penny-Markt in Ostritz: Rico Gebhardt im Gespräch mit TAG24-Redakteurin Juliane Morgenroth.
Vor dem Penny-Markt in Ostritz: Rico Gebhardt im Gespräch mit TAG24-Redakteurin Juliane Morgenroth.  © Eric Münch

Wahlkampf ist kein Zuckerschlecken. Das muss auch Gebhardt in Ostritz, zwischen Görlitz und Zittau, feststellen. Selbst an einem normalen Vormittag ist kaum eine Menschenseele zu sehen, den der Wahlkämpfer ansprechen könnte.

Also weiter zu Penny. Mit ein paar potenziellen Wählern kommen Gebhardt und sein Team ins Gespräch. Ein zähes Geschäft. "Das gehört dazu. Klar gibt es mehr Klientel für uns in Leipzig. Aber Sachsen besteht nicht nur aus Leipzig."

Die Linke, bislang zweitstärkste Kraft in Sachsen hinter der CDU, droht diesen Status zu verlieren. Die AfD ist stark. Umfragen sehen die Linke bei 16 Prozent, 2014 waren es knapp 19 Prozent - mit Spitzenkandidat Gebhardt.

"Realistisch ist, stärkste linke Kraft zu werden", räumt Gebhardt ein. Der Ruf als Ost-Kümmererpartei ist verblasst. "Ich weiß nicht, ob sich die AfD wirklich kümmert. Wir haben Rentenanträge für Menschen ausgefüllt. Die AfD schimpft nur", so Gebhardt.

Die Linke bleibt bei ihrer klaren Haltung für ein weltoffenes Sachsen

Viele Liter Kaffee werden von Gebhardt im Wahlkampf ausgeschenkt. Ob es hilft?
Viele Liter Kaffee werden von Gebhardt im Wahlkampf ausgeschenkt. Ob es hilft?  © Eric Münch

Er erlebe verstärkt, dass langjährige Linke-Wähler nun sagen, die Linke habe nichts verändert. "Die sagen, jetzt versuche ich es bei einer anderen Partei. Denen ist es egal, dass sie nach rechts wandern, zur AfD", so Gebhardt.

Die Linke bleibe bei ihrer klaren Haltung, auch wenn sie das Prozente koste. Sie kämpfe für ein weltoffenes Sachsen. Zudem gegen Überwachung (neues Polizeigesetz). Für einen "demokratischen Sozialismus".

Die Linke setzt sich für die Förderung von Dorfläden ein. "Sie haben eine soziale Aufgabe, sind Treffpunkt. Wenn dort noch Behörden mal vor Ort sind, wäre das ein Gewinn", so Gebhardt. Und sie kämpft gegen die Verödung der Bahnhöfe.

Daher steht Gebhardt an diesem Tag nun am Bahnhof Lohmen (Sächsische Schweiz). Es gibt Kaffee, Infomaterial, Kugelschreiber. Doch wieder Pech: Die Städtebahn fährt nicht, keine Pendler in Sicht.

Die Partei hat keine Aussicht, in die Regierung zu gelangen: Für ein Bündnis mit SPD und Grünen reicht es nicht, die CDU lehnt die Linke kategorisch ab. Ministerpräsident Kretschmer habe sich noch nie mit ihm getroffen, so Gebhardt.

Das sei in anderen Bundesländern anders: "Wir gestalten über Umwege trotzdem mit. Viele unserer Forderungen wurden umgesetzt, etwa die gleiche Bezahlung von Grund- und Oberschullehrern, Sozialarbeiter an Schulen, mehr Lehrer und Polizisten. Für uns ist Opposition nicht immer Mist."

Kurzportrait Rico Gebhardt

Rico Gebhardt (56) vor dem Bahnhofsgebäude in Lohmen. Der Politiker ist, wie schon 2014, Spitzenkandidat der Linken
Rico Gebhardt (56) vor dem Bahnhofsgebäude in Lohmen. Der Politiker ist, wie schon 2014, Spitzenkandidat der Linken  © Eric Münch

Rico Gebhardt (56) wurde in Schlema geboren. Der gelernte Koch war hauptamtlicher stellvertretender FDJ-Sekretär im Handel und Filialleiter u.a. im Fischgroßhandel.

Bis 1990 war er Mitglied der SED. Früh nach der Wende zog es ihn in die Politik, zunächst 1990 als Kreisrat.

In den 90ern war Gebhardt zweimal Bürgermeisterkandidat in Aue. 1999 bis 2009 war er Landesgeschäftsführer der PDS/Die Linke. Seit 2004 ist er Mitglied des Landtages, seit 2012 Fraktions-Chef der Linken.

Von 2009 bis 2017 war Gebhardt zudem Partei-Chef in Sachsen. Als Direktkandidat tritt er im Erzgebirge an. Der Politiker hat vier Kinder: der Älteste ist 31, eine Tochter neun Jahre alt.

Zudem ist Gebhardt Vater von Zwillingen (7). Er lebt mit seiner Familie in Dresden.

Das Wahlprogramm auf Links gestrickt

Der Spitzenkandidat ist zurzeit jeden Tag unterwegs in Sachsen, hier mit seinem Team in Lohmen.
Der Spitzenkandidat ist zurzeit jeden Tag unterwegs in Sachsen, hier mit seinem Team in Lohmen.  © Eric Münch

"Fortschritt und Zusammenhalt" ist das Wahlprogramm überschrieben. Die Linke kämpft für die Gemeinschaftsschule - zunächst optional. Zudem soll das Mittagessen in Schule und Kita kostenfrei sein, ebenso das ÖPNV-Ticket für Schüler.

Die Privatisierung öffentlichen Eigentums und kommunaler Wohnungen soll gestoppt werden. Die Partei will auch die Gemeindeschwester ("Schwester Agnes") reaktivieren.

Zudem will die Partei die Hürden für Volksbegehren und -entscheide senken und sich für mehr Sozialwohnungen und die Förderung von Dorfläden einsetzen.

Bei öffentlichen Aufträgen dürfe der niedrigste Preis nicht das einzige Kriterium sein, sondern auch soziale und ökologische Aspekte.

Mehr aus unserer Serie über Spitzenkandidaten

TAG24 hat in den letzten Wochen auch andere andere Spitzenkandidaten bereits näher vorgestellt und interviewt. Nachfolgend haben wir für Euch die Artikel noch einmal verlinkt:

Titelfoto: Eric Münch

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