Wende vor der NRW-Wahl? CDU in zwei Umfragen vorn

Die amtierende Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) muss aktuell um ihr Amt bangen.
Die amtierende Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) muss aktuell um ihr Amt bangen.  © DPA

Düsseldorf - Es ist die "kleine Bundestagwahl": Am Sonntag dürfen in Nordrhein- Westfalen 13,1 Millionen Menschen über einen neuen Landtag abstimmen - mehr als ein Fünftel aller Wahlberechtigten in Deutschland. Lange sah es nach einem SPD-Sieg aus. Doch nun könnte sich das Blatt wenden.

Unmittelbar vor der Wahl ist die CDU in zwei aktuellen Umfragen knapp an der regierenden SPD vorbeigezogen. Laut ZDF-Politbarometer und nach Zahlen von Yougov im Auftrag von Sat.1 NRW liegen die Christdemokraten von Herausforderer Armin Laschet mit 31 Prozent knapp einen Prozentpunkt vor den Sozialdemokraten.

Da die Grünen in beiden am Donnerstag veröffentlichten Umfragen nur auf 6,5 bis 7 Prozent kommen, hätte die rot-grüne Koalition keine Aussicht auf ein Fortbestehen. Nach Wahlkampf-Äußerungen, wer mit wem auf keinen Fall regieren möchte, bliebe demnach nur eine große Koalition - dann jedoch unter CDU-Führung.

Die Koalitionsfrage ist bis zum Schluss Thema des Wahlkampfs in NRW. Bei der Abschlussveranstaltung der FDP sagte der Bundes- und Landesvorsitzende Christian Lindner, die Wahrscheinlichkeit für eine Koalition aus SPD und FDP gehe gegen Null.

Schwarz-Gelb sei dagegen möglich, "wenn die CDU endlich mal anfängt, die SPD zu attackieren". Von den Umfragen wird allerdings auch diese Möglichkeit nicht gestützt. CDU und FDP kommen darin nicht auf eine gemeinsame Mehrheit.

Die Linken kritisierten Kraft für deren Absage an eine Koalition mit ihnen in NRW. Kraft wolle ihre "unsoziale Politik" nach der Wahl offensichtlich im Bündnis mit der CDU fortsetzen, sagte die Spitzenkandidatin für die Bundestagswahl, Sahra Wagenknecht, der "Passauer Neuen Press".

In zwei Umfragen vorn: CDU-Spitzenkandidat Armin Laschet hat mit seiner Partei gute Werte erzielt.
In zwei Umfragen vorn: CDU-Spitzenkandidat Armin Laschet hat mit seiner Partei gute Werte erzielt.  © DPA

Die NRW-Spitzenkandidatin der Partei, Özlem Demirel, schloss aber in der "Rheinischen Post" nicht aus, dass die Linken eine rot-grüne Minderheitsregierung tolerieren würden wie schon von 2010 bis 2012.

Die Grünen setzten am Donnerstag mit einem Auftritt ihrer Bundesspitze den Schlusspunkt unter ihren Landtagswahlkampf. Dabei hob Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth noch einmal hervor, wie wichtig Rückenwind aus NRW für die Bundestagswahl im September sei.

Die Landtagswahl ist aus Sicht von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) aber kein reiner Testlauf für den Bund. Sie entscheide zuallererst über die Lebenswirklichkeit der Bürger in NRW, sagte Merkel am Donnerstagabend im Interview mit "Rheinische Post"-Chefredakteur Michael Bröcker beim Düsseldorfer "Ständehaus-Treff".

Nordrhein-Westfalen ist das mit Abstand bevölkerungsreichste Bundesland, dort allein sind 13,1 Millionen Menschen wahlberechtigt - mehr als ein Fünftel aller Wahlberechtigten in Deutschland.

SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz hatte einen Auftritt in seiner Heimatstadt Würselen: Um die 300 Besucher waren am Donnerstagabend auf einer Freilichtbühne im Schatten einer Burgruine dabei.

Der SPD-Chef warb für mehr Zusammenarbeit in Europa. Er kritisierte, dass der neue französische Präsident Emmanuel Macron mit ersten Vorschlägen in Berlin bereits abgeblitzt sei. Das müsse aufhören: Deutschland dürfe den anderen Ländern in Europa nicht ständig Lektionen erteilen.

Die Spitzenkandidaten für die Landtagswahlen in NRW: Özlem Alev Demirel (Linke), Hannelore Kraft (SPD), Armin Laschet (CDU), Sylvia Löhrmann (Grüne), Christian Lindner (FDP).
Die Spitzenkandidaten für die Landtagswahlen in NRW: Özlem Alev Demirel (Linke), Hannelore Kraft (SPD), Armin Laschet (CDU), Sylvia Löhrmann (Grüne), Christian Lindner (FDP).  © DPA

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