"Lara": Hartes deutsches Familiendrama begeistert!

Deutschland - Der nächste starke deutsche Film! Nach "Und der Zukunft zugewandt", "Systemsprenger" und "Deutschstunde" überzeugt auch "Lara" mit einer bewegenden Geschichte.

Viktor (r., Tom Schilling) ist noch immer von Selbstzweifeln geplagt, für die seine Mutter Lara Jenkins (Corinna Harfouch) verantwortlich ist.
Viktor (r., Tom Schilling) ist noch immer von Selbstzweifeln geplagt, für die seine Mutter Lara Jenkins (Corinna Harfouch) verantwortlich ist.  © PR/Studiocanal GmbH / Frédéric Batier

Im Mittelpunkt steht die unglückliche Lara Jenkins (Corinna Harfouch). Sie steht morgens mühsam auf, öffnet ihr Fenster und schaut lange nach unten.

Dann wird sie von einem Türklingeln aus ihren Gedanken gerissen. Polizist Fauser (Johann von Bülow) und Walter (Alexander Khuon) bitten sie, Zeugin für eine Wohnungsdurchsuchung eine Etage weiter unten zu sein.

Widerstrebend stimmt sie zu und steht verloren im Wohnzimmer von Herrn Czerny (André Jung) und dessen Sohn Sascha (Edin Hasanovic).

Da sie ihren Ausweis zeigen muss, kommt heraus: Sie wird heute 60 Jahre alt. Walter beglückwünscht sie unsensibel, sodass alle es mitbekommen, was Lara gar nicht recht ist.

Sie zischt schnellstmöglich ab und geht alleine Konzerttickets kaufen - und zwar nicht irgendwelche, sondern für den ersten Solo-Auftritt ihres Sohnes Viktor (Tom Schilling), der seine eigene Komposition vorstellt. Eingeladen hat er seine Mutter allerdings nicht.

Auch zum runden Geburtstag hat er ihr nicht gratuliert. Denn sie hat ihn mit ihrer Art ebenso vergrault wie ihren früheren Ehemann Paul (Rainer Bock), der mittlerweile eine neue Freundin hat. Auch ihre Mutter (Gudrun Ritter) ist nicht gut auf Lara sie zu sprechen. So hat sie keine Freunde und muss sich nun ihren Fehlern stellen.

"Lara" begeistert als tiefgründige Charakterstudie

Lara Jenkins (Corinna Harfouch) und ihr Ex-Mann Paul (Rainer Bock) schauen sich Viktors Komposition teilweise gemeinsam an...
Lara Jenkins (Corinna Harfouch) und ihr Ex-Mann Paul (Rainer Bock) schauen sich Viktors Komposition teilweise gemeinsam an...  © PR/Studiocanal GmbH / Frédéric Batier

Diese Geschichte hat Regisseur Jan-Ole Gerster ("Oh Boy") großartig umgesetzt. Er hat ein feinfühliges Porträt einer Frau erschaffen, die sich selbst im Weg stand und noch immer steht.

Die fesselnde Charakterstudie lebt dabei von den famosen schauspielerischen Leistungen. Allen voran Harfouch ("Der Untergang"), die sich ihre komplexe Figur mit den vielen unterschiedlichen Facetten zu eigen macht und gänzlich in der Rolle einer gebrochenen und zugleich starken Frau aufgeht.

Durch ihre famose Darbietung reißt sie das Publikum mit. Denn die Ambivalenz ihrer Protagonistin ist der Kern des Films und funktioniert bis ins kleinste Detail.

Gerster gelingt das Kunststück, Lara eine faszinierende Hintergrundgeschichte zu spendieren, ohne gleichzeitig all ihre Geheimnisse zu schnell zu lüften.

Wie bei einem Puzzle wird sie den Zuschauern nach und nach näher gebracht, bis sich ein schlüssiges Gesamtbild ergibt.

Der Weg dorthin ist für sie weit, obwohl das Geschehen an einem einzigen Tag spielt.

"Lara" ist ein feinfühliges deutsches Kino-Meisterwerk

...denn irgendwann muss Lara Jenkins (Corinna Harfouch) aus dem Saal. In diesem Moment sucht sie genau die Einsamkeit, die ihr sonst oft zu schaffen macht.
...denn irgendwann muss Lara Jenkins (Corinna Harfouch) aus dem Saal. In diesem Moment sucht sie genau die Einsamkeit, die ihr sonst oft zu schaffen macht.  © PR/Studiocanal GmbH / Frédéric Batier

Gerade die subtilen zwischenmenschlichen Töne sind außergewöhnlich gut gelungen und haben zur Folge, dass man nie aus dem Film aussteigt. Im Gegenteil: Die emotionale Nähe zu den Figuren ist groß.

Dazu tragen auch lange Zeit offene Fragen bei, wie zum Beispiel: Was hat Lara in der Vergangenheit getan, um so viele eng vertraute Menschen von sich wegzustoßen?

Eine ganze Menge, das wird im Verlauf deutlich. Doch obwohl sie ihren Sohn und Mann verbal und emotional schwer verletzt hat, empfindet man Mitleid mit ihr und fühlt mit Lara mit.

Dass dem Film dieser diffizile Balanceakt gelingt, ist bemerkenswert. Und damit noch lange nicht genug. Gerster ergründet anhand Laras eigenwilliger Wesenszüge das schwere Los der Einsamkeit, an dem sie selbst natürlich nicht ganz unschuldig ist.

Passenderweise ist das Drama in Berlin angesiedelt, wo man in der Anonymität der Großstadt schnell verloren gehen kann.

Deshalb tragen die Locations viel zur fesselnden Atmosphäre von "Lara" bei. Auch das Zusammenspiel der anderen Kategorien funktioniert.

Corinna Harfouch und Tom Schilling begeistern in "Lara"

Lara Jenkins (Corinna Harfouch) ist ein schwieriger, in den Details auch unergründlicher Mensch. Doch ihre Motive sind nachvollziehbar.
Lara Jenkins (Corinna Harfouch) ist ein schwieriger, in den Details auch unergründlicher Mensch. Doch ihre Motive sind nachvollziehbar.  © PR/Studiocanal GmbH / Frédéric Batier

Die klassische Musikuntermalung ist eine eigene Filmfigur. Dazu verstärkt auch die exzellente, ruhige Kameraführung die Stimmung.

All das wäre ohne die herausragende Qualität des intelligenten Drehbuchs nicht möglich, das tiefsinnige Dialoge beinhaltet. Der packende Schnitt trägt ebenfalls einen großen Teil zum Gelingen des Dramas bei.

So verfolgt man das Geschehen auf der Leinwand emotional gebannt, wird von einigen geschickten Story-Wendungen überrascht und freut sich über die Konsequenz, mit der Gerster sein Werk von der ersten bis zur letzten Minute gestaltet.

Denn ohne zu spoilern: Auch das Ende ist schlüssig, weshalb "Lara" ein überragendes Gesamtkunstwerk geworden ist. Wegen all dieser Stärken ist "Lara" eine echte Filmperle geworden.

Durch das perfekte Zusammenspiel aller Kategorien, von Drehbuch bis Kameraführung, ist ein meisterliches Drama entstanden, das mit brillanten schauspielerischen Leistungen mitreißt und es dem Publikum ermöglicht, eine große emotionale Nähe zu den Figuren zu entwickeln.

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