Jetzt sprechen die Flüchtlinge aus dem Schleuser-Laster

Schleuser Ilmaz A. (34) fuhr 81 eingepferchte Menschen, im Laster von Ungarn nach Deutschland.
Schleuser Ilmaz A. (34) fuhr 81 eingepferchte Menschen, im Laster von Ungarn nach Deutschland.

Von Steffi Suhr

Dresden - Die Angst der Flüchtlinge bei ihrer Odyssee. Im Prozess gegen den Schleuser Ilmaz A. (34), der 81 eingepferchte Menschen, im Laster von Ungarn nach Deutschland fuhr, sagten jetzt Flüchtlinge aus.

So auch Mohammed al H. (30) aus Syrien. Der Apotheker, der für seine Flucht 1450 Dollar zahlte, wusste sich nach über sieben Stunden Fahrt in dunklen Laster nicht mehr anders zu helfen. "Ich rief über per Handy die internationale Notrufnummer 911", schildert er. "Ich wollte die Nummer von der deutschen Polizei. Wir brauchten Hilfe, waren so sehr erschöpft, die Kinder weinten."

In Ungarn waren die Flüchtlinge in den Laderaum des Kühllasters geklettert. "Wir sollten bis nach Hamburg gebracht werden", sagte Mohammed.

Die Flüchtlinge aus Syrien, Iran, Irak und Afghanistan nach 18 Stunden Fahrt in Lauenstein aus dem Laster geworfen.
Die Flüchtlinge aus Syrien, Iran, Irak und Afghanistan nach 18 Stunden Fahrt in Lauenstein aus dem Laster geworfen.

"Es war so eng, dass nicht alle sitzen konnten. Im Dach war ein Luftschlitz. Jemand hatte eine Gehhilfe. Damit versuchten wir den Schlitz zu erweitern. Es gelang nicht."

Die Kinder hätten aus Angst und Panik gegen die Wände geschlagen. Andere Flüchtlinge sagten, Fahrer Ilmaz sei daraufhin aggressiv gefahren, als wolle er sagen: "Ruhe da hinten!"

Mohammed weiter: "Wir sollten weder Wasser und Essen mitnehmen. Ich sah nur 18 Wasserflaschen im Laderaum. Essen hatte niemand. Irgendwann hatte ich Todesangst. Die Tür war von außen verschlossen."

Schleuser Ilmaz, ein Bulgare, warf die Flüchtlinge aus Syrien, Iran, Irak und Afghanistan nach 18 Stunden Fahrt in Lauenstein aus dem Laster. Sie irrten umher, bis die Polizei sie aufgriff. Ilmaz A. verhaftet.

Der Prozess gegen ihn wird fortgesetzt.

Fotos: Marko Förster, Holm Helis


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