Darum ist "Le Mans 66: Gegen jede Chance" einer der besten Filme des Jahres

Deutschland - Ein Ausnahmefilm! "Le Mans 66: Gegen jede Chance", der ab dem 14. November in den deutschen Kinos läuft, begeistert als erstklassige Charakterstudie und außergewöhnliches Schauspielkino.

Carroll Shelby (Matt Damon) soll aus Ford einen Vorzeige-Rennstall machen.
Carroll Shelby (Matt Damon) soll aus Ford einen Vorzeige-Rennstall machen.  © PR/2019 Twentieth Century Fox

Carroll Shelby (Matt Damon) ist ein herausragender Rennfahrer. Er gewinnt sogar die 24 Stunden von Le Mans. Doch eine Herzerkrankung zwingt ihn zum vorzeitigen Karriereende, weshalb er anschließend nur noch Autos verkauft.

Dann jedoch bietet ihm Lee Iacocca (Jon Bernthal) eine große berufliche Chance, die er kampflustig wahrnimmt. Shelby wird von Henry Ford II. (Tracy Letts) eingestellt und soll aus dessen Autofabrik auch einen Rennstall machen, der sogar jenen von Enzo Ferrari (Remo Girone) schlagen kann.

Eine eigentlich unmögliche Aufgabe, da sind sich fast alle sicher. Doch Carroll hat einen durchdachten Plan. Er holt den besten Fahrer an Bord, den er kennt: Seinen guten Kumpel Ken Miles (Christian Bale).

Der verdiente mit seiner großen Leidenschaft trotz vieler Siege allerdings wenig Geld und konnte auch seine Werkstatt nicht halten. Auch deshalb nimmt er das Angebot seines Freundes an, hilft ihm und einem gigantischen Team maßgeblich bei der Entwicklung des Ford Mustangs.

Doch er ist ein schwieriger Charakter und Praktiker, der mit den ganzen "Schlipsträgern" aus der Ford-Führungsebene nichts anfangen kann. Besonders Leo Beebe (Josh Lucas), der seine Macht nicht teilen will, ist der Inbegriff seiner Abscheu, was zu vielen Problemen führt...

Christian Bale und Matt Damon mit "Oscar"-reifen Leistungen

Ken Miles (r., Christian Bale) und Carroll Shelby (Matt Damon) stehen vor einer Herkulesaufgabe.
Ken Miles (r., Christian Bale) und Carroll Shelby (Matt Damon) stehen vor einer Herkulesaufgabe.  © PR/2019 Twentieth Century Fox

Diese Geschichte hat Regisseur James Mangold genial umgesetzt. Dem erfahrenen Regisseur ist ein tiefschürfendes Meisterwerk gelungen, das mit seiner faszinierenden Charakterdarstellung und -entwicklung für eine Achterbahnfahrt der Gefühle sorgt.

Von Beginn an kann man sich in die differenziert gezeichneten Figuren hineinversetzen und fiebert deshalb mit ihnen mit - was auch für Ken gilt, dessen Eigenheiten allesamt glaubwürdig und warmherzig in Szene gesetzt werden.

Im vertrauten Zusammenspiel mit Shelby gibt es daher viele Sequenzen für die Ewigkeit. Das liegt auch an den "Oscar"-reifen Leistungen der Darsteller.

Wie sich Bale ("Batman"-Trilogie, "Vice - Der zweite Mann", "The Fighter") und Damon ("Bourne"-Reihe, "Der Marsianer - Rettet Mark Watney", "Good Will Hunting") die Bälle auf allerhöchstem schauspielerischen Niveau zuspielen, nötigt Respekt ab.

Beide haben das Herz und die Seele ihrer Charaktere vollends erfasst und können diese deshalb als eigene Version mit vielen interessanten und fesselnden Details darstellen. Dazu tragen auch ihre ausgefeilte Präsenz, jahrzehntelange Erfahrung und Ausdrucksstärke bei. Sie dürften bei den "Oscars" 2020 gute Chancen haben, zumindest nominiert zu werden.

Sebastian Koch war bei der Berliner Pressevorführung anwesend - und begeistert!

Die Autorennen sind dynamisch und mitreißend inszeniert.
Die Autorennen sind dynamisch und mitreißend inszeniert.  © PR/2019 Twentieth Century Fox

Auch die Nebenrollen sind stark besetzt. Bernthal ("The Wolf of Wall Street"), Lucas ("Ein ungezähmtes Leben") und besonders Caitriona Balfe ("Outlander: Die Highland Saga") als Kens starke Frau Mollie Miles demonstrieren ihre ganze Klasse.

Doch der heimliche Star der Nebenrollen ist Letts ("Lady Bird", "Die Verlegerin", "Imperium"), der erneut beweist, wie versiert er sich selbst kleinere Parts zu eigen machen- und das Geschehen an sich reißen kann.

Das empfand ganz offenbar auch der deutsche Vorzeigeschauspieler Sebastian Koch ("Werk ohne Autor", "Homeland", "Das Leben der Anderen") so, der sich bei der Berliner Pressevorführung am 8. November unter die anwesenden Medienvertreter in der Astor Film Lounge gemischt hatte und mehrfach herzhaft auflachte, als Letts nur mit seiner Mimik für überragende situationskomische Momente sorgte.

Doch nicht nur er und die anderen Darsteller sorgen dafür, dass man 152 Minuten lang gebannt zuschaut. Auch das hintergründige Drehbuch mit den ausgefeilten Dialogen hat daran entscheidenden Anteil.

Dank des intelligenten Skripts und des ausgewogenen Schnitts entfaltet die kraftvolle Geschichte mit den lebensweisen Anklängen ihre volle Wirkung und packt selbst Zuschauer, die keine ausgewiesenen Rennsport-Fans sind.

"Le Mans 66: Gegen jede Chance" ist ein zeitloses Meisterwerk

Ken Miles (Christian Bale) ist ein außergewöhnlich guter Rennfahrer.
Ken Miles (Christian Bale) ist ein außergewöhnlich guter Rennfahrer.  © PR/2019 Twentieth Century Fox

Das ist auch Regisseur James Mangold ("Logan: The Wolverine", "Walk the Line", "Todeszug nach Yuma") hoch anzurechnen, der das Werk mit seinem präzisen Stil bereichert und dadurch erst zu einem zeitlosen Meisterwerk macht.

Die vielen wichtigen Themen wie Familie, Freundschaft, Betrug, Zusammenhalt, das Ankämpfen gegen Widerstände und das Ausleben der eigenen Leidenschaften sorgen dafür, dass "Le Mans 66" nachhaltig beeindruckt und noch lange im Gedächtnis haften bleibt.

Dennoch gibt es zwei kleinere Kritikpunkte. Erstens: Warum musste der deutsche Titel unbedingt vom Original abweichen? "Ford v Ferrari" ist weitaus passender. So spricht Henry Ford II. in einem erhellenden Monolog ganz offen vom "Krieg gegen Ferrari".

Zweitens: Die Spezialeffekte können mit der grandiosen filmischen Qualität nur stellenweise mithalten. Die unterschiedliche und erkennbar künstliche Beleuchtung sorgt mitunter dafür, dass die CGI-Technik sofort als solche zu entlarven ist, was aber glücklicherweise nur am Rande stört.

Doch zurück zu den vielen Stärken: Die Kameraführung des versierten Phedon Papamichael ("The Ides of March", "The Descendants") ist brillant. Gerade in den stimmig choreografierten Renn-Sequenzen entsteht eine mitreißende Dynamik.

In "Le Mans 66: Gegen jede Chance" greift ein Rädchen ins andere

Mollie Miles (Caitriona Balfe) steht ihrem Mann mit Rat und Tat zur Seite und weiß auch mit dessen Eigenheiten umzugehen.
Mollie Miles (Caitriona Balfe) steht ihrem Mann mit Rat und Tat zur Seite und weiß auch mit dessen Eigenheiten umzugehen.  © PR/2019 Twentieth Century Fox

Aus dem Cockpit heraus wird beispielsweise die (schlechte) Sicht der Fahrer gezeigt. Bei strömendem Regen tauchen Hindernisse und andere Autos urplötzlich auf - das sorgt auch beim Publikum für Nervenkitzel!

Auch die authentischen Locations, die stimmige Musikuntermalung, die zeitversetzenden Kostüme und die detailreiche Ausstattung sind große Pluspunkte und sorgen dafür, dass der Film als Gesamtkunstwerk reibungslos funktioniert und ein Rädchen ins andere greift.

Vor allem hinsichtlich des Story-Ansatzes gebührt den Verantwortlichen um Mangold ein ausdrückliches Lob. Denn der erfahrene Filmschaffende lässt sich nicht zu einer pathetischen Herangehensweise verleiten.

Stattdessen legt er erkennbar Wert darauf, akkurat zu agieren und die realen Figuren mit ihren Besonderheiten vorurteilsfrei darzustellen. Das ist ein weiterer großer Trumpf dieses Dramas, das zu den Must-See-Filmen des Jahres zählt. Dank der erzählerischen Balance wird sowohl krachende Action, als auch feinfühliges Arthaus-Kino geboten.

Aus all diesen Gründen ist "Le Mans 66 - Gegen jede Chance" ein zeitloses Meisterwerk geworden, das dank seiner genialen Charakterdarstellung und den fantastisch aufgelegten Schauspielern für emotionale Tiefe sorgt. Ganz großes Kino!

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