Berlins Kultursenator will Brandenburger Tor nicht beleuchten

Ja oder nein? Klaus Lederer befürwortet ein letztes Mal die Projektion aufs Brandenburger Tor, aber der Senat sieht komplett davon ab.
Ja oder nein? Klaus Lederer befürwortet ein letztes Mal die Projektion aufs Brandenburger Tor, aber der Senat sieht komplett davon ab.  © dpa/Sören Stache

Berlin - Bisher gab es immer anteilige Gesten des Mitgefühls für Partnerstädte Berlins. Das Brandenburger Tor wurde aus Solidarität immer in den jeweiligen Landesfarben beleuchtet. Doch wenn es nach dem Senat geht, wird dies bald nicht mehr der Fall sein.

Berliner Kultursenator Klaus Lederer (43, Linke) möchte diese Form der Anteilnahme künftig komplett abschaffen. Zuvor soll jedoch auf Berlins bekanntestes Wahrzeichen ein letztes Mal die russischen Farben projiziert werden, forderte Lederer am Dienstag auf seiner Facebook-Seite.

Damit könne man die Unterstellung ausräumen, es gäbe "eine Hierarchisierung der Opfer". Künftig solle man jedoch ganz auf die Geste verzichten, da die Auswahl willkürlich werde und nahezu täglich erfolgen könnte, schrieb er weiter.

Der Senat hatte sich bereits am Montagabend (03.04.) dagegen entschieden, nach einem Anschlag mit mindestens 14 Toten in der St. Petersburger Metro das Brandenburger Tor in den russischen Nationalfarben anzustrahlen. St. Petersburg sei keine Partnerstadt von Berlin, hieß es.

Für Claudia Sünder gibt es auch andere Wege, als Stadt seine Anteilnahme zum Ausdruck zu bringen.
Für Claudia Sünder gibt es auch andere Wege, als Stadt seine Anteilnahme zum Ausdruck zu bringen.  © dpa/Paul Zinken

Am Dienstag bekräftigte der Senat seine Entscheidung.

"Man kann Kondolenz und Trauer auch ausdrücken, ohne das Brandenburger Tor zu beleuchten", sagte Senatssprecherin Claudia Sünder (47) am Dienstag. Selbstverständlich fühle der Senat "in Verbundenheit und Anteilnahme" mit den Menschen in der russischen Stadt.

Der Regierende Bürgermeister Michael Müller (52, SPD) soll noch am heutigen Nachmittag die russische Botschaft aufsuchen, um mit dem Botschafter zu sprechen und Blumen für die Opfer niederzulegen.

Die Entscheidung hatte am Dienstag für Kritik in den sozialen Netzwerken gesorgt. Als "kalt" oder "kleinlich" wurde die Entscheidung des Senats kommentiert.

Nach Anschlägen wie etwa in Paris, Brüssel, London, Istanbul (Partnerstädte von Berlin), aber auch Jerusalem war das Berliner Wahrzeichen aus Solidarität mit den Betroffenen in den jeweiligen Nationalfarben beleuchtet worden.

Auch andere Hauptstädte verzichten mittlerweile auf ähnliche Gesten.

Titelfoto: dpa/Sören Stache


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