Sind unsere Lehrer zu schlecht ausgebildet?

Kiel - Im Norden unterrichten fast 900 Lehrer ohne eine vollständige Lehramtsausbildung. SPD und CDU geben sich gegenseitig die Schuld für die Situation.

Bald sollen 1000 Lehrer ohne vollständige Ausbildung im Norden unterrichten.
Bald sollen 1000 Lehrer ohne vollständige Ausbildung im Norden unterrichten.  © DPA

Mit der Kleinen Anfrage des SPD-Politikers Martin Habersaat an das Bildungsministerium ist jetzt ein neuer Disput um die Lehrersituation entbrannt.

Demnach sind von den rund 22.000 Stellen an allen Schularten 882 mit Lehrern besetzt, die keine vollständige pädagogische Ausbildung besitzen.

Gut 670 Stellen entfielen sogar auf Menschen ohne jede Lehramtsausbildung, kritisierte Habersaat am Mittwoch. Er warf der Ministerin Karin Prien (CDU) vor, sie habe das Problem vor der Landtagswahl dramatisch geschildert, dann geleugnet und verschärfe es nun mit falschen Entscheidungen.

Sprecher der Jamaika-Koalition hielten dagegen, die SPD hätte das Land in ihrer langen Regierungszeit auf den Lehrermangel vorbereiten können: "Wer sich mit aller Vehemenz um die Verantwortung für unsere Schulen und die Qualität des Unterrichts für unsere Kinder und Jugendlichen beworben hat, muss sich dieser Verantwortung nach einem Jahr im Amt endlich stellen", sagte Habersaat.

Die Lehrergewerkschaft GEW geht davon aus, dass bald 1000 Stellen mit Lehrern ohne vollständige Lehrerausbildung besetzt sein werden. "Die Not wird größer", sagte die Landesvorsitzende Astrid Henke. "Das lässt sich auch daran ablesen, dass das Bildungsministerium zunehmend Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst zum Vertretungsunterricht heranzieht."

Menschen ohne Lehramtsstudium müssten an den Schulen die Ausnahme bleiben, sagte die Grüne Ines Strehlau. Schon die Vorgängerkoalition aus SPD, Grünen und SSW habe an diesem Ziel gearbeitet, und Jamaika verstärke die Anstrengungen.

So würden mehr Referendare eingestellt, mehr Sonderpädagogen ausgebildet, die Arbeitsbelastung der Lehrer verringert und Grundschullehrer besser bezahlt.

Die SPD sei lange genug selbst in der Regierungsverantwortung gewesen, als dass sie jetzt glaubwürdig von einem Skandal sprechen könne, sagte Strehlau.


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