Darum ziehen russische Lehrerinnen jetzt auf Instagram blank

Iwanowo (Russland) - Tatiana Kuvshinnikova war all die Jahre Lehrerin an einer Schule in Russland. Weil sie auf ihrem Instagram-Profil Bilder veröffentlichte, auf denen sie im Badeanzug und in einem knappen Kleid posiert, wurde die 38-Jährige fristlos gekündigt.

Tatiana Kuvshinnikova (38).
Tatiana Kuvshinnikova (38).  © Screenshot/Facebook/Tatiana Kuvshinnikova

Die Schulleitung begründete die Entscheidung damit, dass die gebürtige Sibirierin mit diesen provokanten Bildern die Aufmerksamkeit männlicher Schüler sowie den Zorn der Eltern auf sich ziehen würde. Zudem beschuldigten Kollegen die Lehrerin, sich wie eine Prostituierte zu kleiden, berichtet unter anderem die "Moscow Times".

Schulleiterin Olga Gain erzählte lokalen Medien: "So kleiden sich nur Prostituierte - High Heels, Kleid gerade so über den Knien und alles kann man sehen."

Die Geschichte von Kuvshinnikova bewegte viele Lehrerinnen aus anderen Schulen in Russland und verbreitete sich auch in den sozialen Medien. Hunderte veröffentlichten private und äußerst freizügige Bilder unter dem Hashtag #учителятожелюди - was so viel bedeutet wie "Lehrer sind auch nur Menschen".

In den verschiedenen Posts kritisieren die Frauen sexistische Verhaltensweisen von Schuldirektoren und männlichen Kollegen. Lehrerinnen haben genau wie jeder andere auch ein Recht auf Privatsphäre und können frei über ihre Freizeit und die Art der Selbstdarstellung in sozialen Netzwerken verfügen.

Kurze Röcke und hohe Schuhe wurden Lehrerin Tatiana zum Verhängnis.
Kurze Röcke und hohe Schuhe wurden Lehrerin Tatiana zum Verhängnis.  © Screenshot/Facebook/Tatiana Kuvshinnikova

Anastasia, die wie Kuvshinnikova Pädagogin an einer Schule im russischen Iwanowo ist, beschwert sich: "Wie sollte eine moderne Lehrerin Ihrer Meinung nach die Anforderungen von Eltern und ihren Vorgesetzten erfüllen? Was ist denn wichtig? Familienstand? Brustgröße? Länge des Rocks?"

Auch Dashka Lukashenskaya kann die Aufregung um den Fall der gefeuerten Lehrerin nicht verstehen: "Sind Lehrer keine Menschen oder was?"

Dasha, eine Lehrerin aus Jekaterinburg, veröffentlichte ebenfalls ein provokantes Bild von sich und verkündete sogar ihren Ausstieg aus dem längjährigen Job: "Ich habe es getan, weil der Unterricht nicht nur Freude am Teilen des Wissens bedeutet, sondern auch eine herbe Enttäuschung im modernen Bildungssystem, in der Bürokratie und schließlich in den Beziehungen mit sich bringt", schreibt sie.

Die ganzen Proteste führten dazu, dass die Schule die 38-jährige Kuvshinnikova wieder einstellte. Doch wenige Monate später kündigte sie. Der Grund: Sie fühlte sich wegen Belästigungen und Mobbing-Attacken nicht mehr wohl an ihrem Arbeitsplatz.


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