Die Hälfte aller neuen Lehrer sind gar keine Lehrer





Zwar konnten fast alle Lehrerstellen in Sachsen besetzt werden. 
Doch unterrichtet werden die Schüler oft von Seiteneinsteigern.
Zwar konnten fast alle Lehrerstellen in Sachsen besetzt werden. Doch unterrichtet werden die Schüler oft von Seiteneinsteigern.  © DPA

Dresden - Dramatische Entwicklung an Sachsens Schulen: Zum neuen Schuljahr haben 52 Prozent der neu eingestellten Lehrer keinen Lehramtsabschluss. Es fehlen schlicht Bewerber. In Teilen Sachsens sieht es sogar noch schlimmer aus.

Insgesamt 1400 Stellen galt es zu besetzen - so viele wie noch nie. 1388 sind zwar besetzt - doch nicht alle mit regulären Lehrkräften.

Waren zum Start des vergangenen Schuljahres noch 48 Prozent der neuen Lehrer Seiteneinsteiger, sind es jetzt schon 52 Prozent. An Grundschulen sogar 66 Prozent, an Oberschulen 60 Prozent. „Stellenangebote und Bewerberlage gehen weiter auseinander als im Vorjahr“, so Kultusministerin Brunhild Kurth (63, CDU). „Es war noch nie so schwer, das neue Schuljahr vorzubereiten.“

Die Ministerin rechnet vor allem zu Beginn des Schuljahres mit Problemen bei der Abdeckung des Unterrichts. Denn die Seiteneinsteiger werden zuvor drei Monate qualifiziert, stehen erst mit Zeitverzug zur Verfügung.

Auf die 1400 Stellen hatten sich nur 1160 ausgebildete Lehrer beworben - über die Hälfte Gymnasiallehrer. Die Folge: Grund-, Ober- und Förderschulen sind ohne Seiteneinsteiger - etwa Diplom-Biologen - komplett aufgeschmissen. Besonders dramatisch ist die Lage an Oberschulen in den Kreisen Görlitz und Bautzen: Hier haben 77 Prozent der neu eingestellten Lehrer keinen Lehramtsabschluss. Im Raum Chemnitz sind es an Grundschulen 76 Prozent!

Kurth: „Der Arbeitsmarkt in ganz Deutschland ist leer gefegt.“ Ein maßgeblicher Fehler sei gewesen, dass die Zahl der Studienplätze in Sachsen erst seit 2011/12 erhöht wurde - viel zu spät.

„Dieser Fehler hätte nicht passieren dürfen. Ich bedaure das sehr und entschuldige mich dafür.“ Entlastung werde es frühestens in zwei Jahren geben.





Besonders in Ostsachsen ist es unglaublich schwer, genügend Lehrer zu finden, machte Ralf Berger (54), 
Chef der Bildungsagentur, deutlich.
Besonders in Ostsachsen ist es unglaublich schwer, genügend Lehrer zu finden, machte Ralf Berger (54), Chef der Bildungsagentur, deutlich.  © Amac Garbe

Titelfoto: DPA


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