Nach 140 Jahren: Aborigines bekommen in Leipzig die Gebeine ihrer Ahnen zurück

Leipzig - In einer bewegenden Zeremonie sind gestern in Leipzig die Gebeine von 45 australischen Ureinwohnern an Vertreter verschiedener Aborigines-Communities übergeben worden.

Mit einer traditionellen Rauchzeremonie bereitet Major Sumner, der "Älteste" vom Volk der Ngarrindjeri, seine Ahnen auf die Heimreise vor.
Mit einer traditionellen Rauchzeremonie bereitet Major Sumner, der "Älteste" vom Volk der Ngarrindjeri, seine Ahnen auf die Heimreise vor.  © dpa/Jan Woitas

Die größtenteils geraubten Schädel, Skelettteile und Haare gehörten über hundert Jahre zum Bestand sächsischer Museen.

Heller Rauch steigt auf im Hof des Grassi-Museums für Völkerkunde, in der Feuerschale glimmen getrocknete Eukalyptusblätter.

"Mit der Rauchzeremonie sollen die schlechte Energie entfernt und schlechte Geister abgewehrt werden", sagt Major Sumner. Der "Älteste" vom Volk der in Australiens Süden lebenden Ngarrindjeri bereitet so in traditioneller Körperbemalung seine Ahnen auf die Heimreise vor.

Rund 140 Jahre lagen ihre Gebeine in sächsischen Völkerkundemuseen. Ein koloniales Erbe, das auf Grabplünderungen europäischer Eroberer und teils auch auf Gewalttaten an den Ureinwohnern fußt.

"Unser Volk wurde als weniger menschlich behandelt, von kolonialistischen Invasoren massakriert und vertrieben", erzählt Megan Krakouer vom Stamm der Menang Noongar (Western Australia). Die Rückführung der Ahnen trage zur Heilung des erlittenen Traumas bei.

Der Leipziger Provenienzforscherin Birgit Scheps-Bretschneider gelang es mit Hilfe von Rechtsmedizinern, anhand der menschlichen Überreste Alter, Geschlecht und Todesursache zu ermitteln. Lagen Haarproben vor, konnten sogar Nachkommen gefunden werden.

Die einst geraubten Gebeine werden nun nach Australien geflogen. In den dortigen Stammesgebieten finden die Ahnen der Aborigines dann ihre letzte Ruhe.

Ob Raubkunst, Tierquälerei oder Ausbeutung - mehr zum Thema „fragwürdige Exponate in Sachsens Museen“ lesen Sie am Sonntag in der MORGENPOST AM SONNTAG.

Mitarbeiter des Grassi-Museums tragen Kisten mit den Gebeinen der australischen Ureinwohner zur feierlichen Rückführungs-Zeremonie.
Mitarbeiter des Grassi-Museums tragen Kisten mit den Gebeinen der australischen Ureinwohner zur feierlichen Rückführungs-Zeremonie.  © dpa/Jan Woitas

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