Acht Jahre Paulinum-Verspätung! Minister hatte die Arbeit, Tillich die Show

Hielt auf dem Festakt zur Eröffnung des Paulinums die Begrüßungsrede: Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU).
Hielt auf dem Festakt zur Eröffnung des Paulinums die Begrüßungsrede: Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU).  © Andre Kempner, LVZ

Leipzig - Im Mai 1968 zerfiel die Leipziger Universitätskirche St. Pauli in einem barbarischen Akt des SED-Staates in Trümmer und Staub. Mehr als 49 Jahre danach ist an gleicher Stelle ein gläserner Nachfolger erwachsen, der Geist und Geistlichkeit vereinen soll. Am Freitag war feierliche Eröffnung. Protokollarisch fiel die Feier mal wieder "typisch sächsisch" aus.

Acht Jahre Verspätung und mit 117,3 Millionen Euro mehr als doppelt so teuer wie einst geplant - das schaffen sonst nur Berliner beim Flughafenbau. Insolvenzen von Firmen, ein Rechtsstreit mit dem Architekten, Zoff um den Einbau einer Acrylglaswand sowie technologische Probleme mit den Glassäulen bremsten den Bau des Paulinums immer wieder aus.

Alles vergessen! Die einzigartige Ästhetik dieser gotisch gezeichneten Glaskathedrale mit ihrem imposanten selbsttragenden Deckengewölbe, das dem der alten Paulinerkirche nachempfunden ist, und der schlichten Eleganz zwischen den hängenden Säulen begeisterte die Einweihungsgäste allesamt sicht- und hörbar: Langegezohene "Ohs" und "Aahs" hallten durchs Paulinum.

Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) sprach von einem "tollen Bauwerk", das eine Wunde der Stadt endlich wieder heilen lasse. Architekt Erick van Egeraat bezeichnete das Paulinum als schwierigstes Projekt seines Lebens. "Mein Entwurf ist eine Kirche für diejenigen, die eine Kirche wollen und eine Aula für diejenigen, die eine Aula wollen", beschrieb er seine Absichten.

Nicht allen schmeckte jedoch das Protokoll. Zwar ist Tillich nominell der höchste Repräsentant des Landes und damit als Redner gesetzt. Doch innerhalb der Ministerriege hätte Finanzer Georg Unland (CDU) DIE Rolle spielen müssen, so das politische Dresden. Denn sein Ministerium begleitete die Arbeit all die Jahre geduldig und über Widrigkeiten.

Selbst Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange (SPD) blieb als Uni-Hausherrin beim Festakt in Tillichs Schatten nur die Rolle einer besseren Statistin.

Zum Festakt spielte das Orchester der Universität Leipzig unter der Leitung von Universitätsmusikdirektor David Timm.
Zum Festakt spielte das Orchester der Universität Leipzig unter der Leitung von Universitätsmusikdirektor David Timm.  © DPA
Blick in das Paulinum - die hängenden Glassäulen und das gotische Deckengewölbe verleihen dem Bau den Charakter einer Kathedrale.
Blick in das Paulinum - die hängenden Glassäulen und das gotische Deckengewölbe verleihen dem Bau den Charakter einer Kathedrale.  © DPA
Blickfang Paulinum: Der Glasgiebel im gotischen Stil soll an die alte Paulinerkirche erinnern, die hier bis Mai 1968 stand.
Blickfang Paulinum: Der Glasgiebel im gotischen Stil soll an die alte Paulinerkirche erinnern, die hier bis Mai 1968 stand.  © DPA

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