"Nicht wir sind es, die Vandalismus betreiben!" Umweltaktivisten verteidigen sich gegen Kulturamt

Leipzig - Am Montag sorgte eine Aktion der Bewegung Extinction Rebellion für Aufsehen: Sie schmückten Leipziger Skulpturen mit Atemmasken. Trotz der dringlichen Botschaft dahinter findet das Kulturamt die Aktion gar nicht witzig.

Das Kulturamt findet den Aktivismus von XR nicht so lustig.
Das Kulturamt findet den Aktivismus von XR nicht so lustig.  © Screenshot Instagram/ Extinction Rebellion

Am Dienstagnachmittag informierte das Kulturamt darüber, dass sie nun rechtlich gegen Extinction Rebellion vorgehen wollen. "Die betroffenen Denkmale sind alle von besonderer Bedeutung und touristischer Relevanz. Sich durch Vandalismus zu Umweltfragen zu äußern, dafür können wir kein Verständnis aufbringen", sagt Kulturamtsleiterin Susanne Kucharski-Huniat.

Die Aktivisten hatten in der Nacht zum Montag mehrere Skulpturen in der Stadt mit Atemmasken versehen und auf deren Sockel Texte und Zeichen mit Schablonentechnik aufgebracht. Unter anderem das Bachdenkmal auf dem Thomaskirchhof, das Goethedenkmal auf dem Naschmarkt und das Mendelssohn-Denkmal an der Thomaskirche waren betroffen.

"Damit wollen wir darauf aufmerksam machen, dass selbst all das, woran diese Statuen erinnern sollen und wofür die Personen gearbeitet haben, mit der Klimakatastrophe auf dem Spiel steht", posteten die Umweltschützer am Montag auf Instagram. Sie fordern ein sofortiges Umdenken und Handeln der Stadt Leipzig und das Ausrufen eines Klimanotstandes. (TAG24 berichtete)

Rebellion im Oktober in Berlin geplant

Mit der Aktion wollen "XR" auch auf eine große Demo am 7. Oktober in Berlin aufmerksam machen. Zahlreiche Aktivisten werden im Herbst aus ganz Deutschland und Osteuropa anreisen, um in Berlin zu nicht nur zu demonstrieren, sondern auch Straßen und Plätze blockieren. Neben Berlin werden auch Aktionen in Amsterdam, London, Paris und New York stattfinden.

Alle Schäden an den Leipziger Skulpturen seien dokumentiert worden. Auch eine Anzeige wegen Vandalismus liege laut dem Kulturamt nun vor. Die Beseitigung der Schäden muss nun durch Fachfirmen erfolgen und werde mit erheblichem Zeitaufwand und Kosten verbunden sein.

Zusammen mit den Jugendlichen von "Fridays For Future" waren die Aktivisten von Extinction Rebellion unter anderem involviert, als sich fünf Schüler an das Tor des Neuen Rathaus ketteten oder eine Gruppe von Aktivisten den Vortrag von Christian Lindner an der Leipziger Universität stürmten.

Auch bei zahlreichen Demos sind stets Vertreter der Bewegung anwesend.

Update, Mittwoch 11.32 Uhr:

Mit einem Post auf Instagram relativierten die Aktivisten von Extinction Rebellion den "Vandalismus", der ihnen von Seiten des Kulturamtes am Dienstag vorgeworfen wurde. "Vandalismus ist es, wenn die Braunkohlebagger von der MIBRAG mbH ganze Landstriche verwüsten, Grundwasser verseuchen und Kirchen & Dörfer abgerissen werden müssen. Denn unter Vandalismus versteht man laut Wikipedia eine blinde Zerstörungswut", heißt es auf Instagram.

Darüber werde aber kaum berichtet. Stattdessen müsste man sich mit dem Vorwurf von Vandalismus auseinandersetzen, obwohl die aufgesprühten Schriftzüge ganz leicht mit Wasser abzuwaschen sind und wahrscheinlich nicht mal den nächsten Regenschauer überdauern werden. Das veranschaulicht "Extinction Rebellion" mit einem kleinen Video.

"Wir sehen es weiterhin als notwendig an, in Zukunft ähnliche Maßnahmen zu ergreifen, um auf die Dringlichkeit und den Handlungsbedarf im Angesicht der Klimakatastrophe hinzuweisen", verkünden die Aktivisten in einem längeren Statement auf Facebook dann weiter. Konzerne, die den Planeten ausbeuten und Politiker, die angesichts dessen nicht handeln, seien das Problem - nicht die Bewegung und ihre Aktionen.

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