Bewohnerparken Waldstraßenviertel: 5 Jahre Planung, 730.000 Euro und ein kurzfristiger Rückzieher

Leipzig - Es ist eines der langwierigsten, akutesten und zugleich umstrittendsten Themen Leipzigs derzeit: das Bewohnerparken im Waldstraßenviertel. Menschen, die ihren Hauptwohnsitz in dem Gebiet westlich der Innenstadt haben, sollte ein wohnungsnahes Parken ermöglicht und Fremdverkehr aus dem Viertel ferngehalten werden. Viele Jahre der Planungen gingen ins Land, viele Hunderttausend Euro wurden gezahlt - mit dem Resultat, die Umsetzung zu stoppen und zu überarbeiten (TAG24 berichtete).

Dutzende Betroffene protestierten am 29. Oktober auf dem Liviaplatz gegen die einen Tag später geplante Umsetzung des Bewohnerparkens.
Dutzende Betroffene protestierten am 29. Oktober auf dem Liviaplatz gegen die einen Tag später geplante Umsetzung des Bewohnerparkens.  © Nico Zeißler

Am 29. Oktober gingen Dutzende Menschen auf die Straße, um gegen die Umsetzung des von der Stadt geplanten Bewohnerparkens zu demonstrieren. Sie versammelten sich auf dem Liviaplatz im Waldstraßenviertel, brachten selbstgebastelte Plakate, Familie, Freunde und Kollegen mit.

Unabhängig von diesem Protest wurde im Rathaus ein Schreiben aufgesetzt. In einer Dienstberatung habe sich Oberbürgermeister Burkhard Jung (61, SPD) dazu entschieden, die Umsetzung zu stoppen. Nur einen Tag vorher.

Grund: "Vor allem die Regelungen für Unternehmer und Gäste von Bewohnern sollen nutzerfreundlicher und zugleich rechtssicherer überarbeitet werden", heißt es. Übergeordnetes Ziel bleibe es, dass Bewohner besser einen Parkplatz im Viertel finden.

Unter anderem ist eine Gästevignette für Gäste von Bewohnern geplant. Auch für Gewerbetreibende, die um ihre Existenz bangten, sollen Parkmöglichkeiten geschaffen werden.

Intern sollen die Regelungen bis Ende November auch mit den Vorschlägen von Betroffenen überarbeitet werden, die in der Vergangenheit im Rathaus eingetrudelt waren. Der nächste Anlauf für den Start des Bewohnerparkens ist für den 1. Januar 2020 festgesetzt.

Berufspendler und Veranstaltungsbesucher werden verdrängt

Mit Plakaten machten Gewerbetreibende, wie dieser Italiener in der Waldstraße, auf ihre Benachteiligung aufmerksam.
Mit Plakaten machten Gewerbetreibende, wie dieser Italiener in der Waldstraße, auf ihre Benachteiligung aufmerksam.  © Facebook/Waldstraßenviertel Leipzig

Negative Auswirkungen hat die verschobene Regelung für Berufspendler und Besucher von Konzerten oder Fußballspielen in der Arena oder der Red Bull Arena.

"Da das Waldstraßenviertel gut an den öffentlichen Nahverkehr angebunden ist und verschiedene Straßenbahn- und Buslinien das Gebiet mit der Innenstadt, dem Hauptbahnhof und weiteren Verknüpfungspunkten der Stadt verbinden, gibt es ausreichend Alternativen zum Auto", schreibt die Stadt.

Zentrumsnahe (gebührenpflichtige) Parkhäuser oder die kostenfreie Variante der P+R-Plätze werden aufgezählt.

Das Waldstraßenviertel wurde für das Bewohnerparken "aufgrund der Größe des Viertels" in die Bereiche E und F geteilt. Doch vor allem Leipziger, die an den Grenzgebieten, besonders entlang der Leibnizstraße, wohnen, werden durch die Einteilung benachteiligt. Sie dürfen teilweise nicht direkt um die Ecke herum parken, da dieser Parkplatz schon zur nächsten Zone zählt.

Viele Planungsjahre & viel investiertes Geld

Die Beschilderungen sind seit dem 30. Oktober enthüllt. Doch erst zum 1. Januar 2020 soll die Regelung gelten.
Die Beschilderungen sind seit dem 30. Oktober enthüllt. Doch erst zum 1. Januar 2020 soll die Regelung gelten.  © Nico Zeißler

Auf Nachfrage von TAG24 legte die Stadt die Zahlen der Maßnahme offen.

Für die Erstellung des Parkraumkonzepts, dem verkehrsrechtlichen Gutachten und der Planung für Waldstraße und Stadionvorplatz gingen etwa 55.000 Euro drauf.

Rund 675.000 Euro kosteten Beschilderungen und Markierungen, die Beschaffung und Montage neuer Parkscheinautomaten sowie Lieferung und Einbau neuer Fahrradanlehnbügel, von denen allein in der Waldstraße 84 installiert wurden.

Insgesamt fünf Jahre dauerte der gesamte Prozess, der nun vorerst auf Eis gelegt wurde.

Übrigens: Trotz des deutlich vergrößerten Gebietes zur Überprüfung von möglichen Parksündern wurde die Anzahl der Mitarbeiter des Ordnungsamtes nicht erhöht.

Und: Weiterhin gibt es Überlegungen, im Bereich des Sportforums ein Parkhaus oder eine Tiefgarage zu bauen.

Bewohner entlang der Grenze an der Leibnizstraße dürfen teilweise nicht direkt um die Ecke herum parken, da dieser Bereich zum anderen Parkgebiet zählt.
Bewohner entlang der Grenze an der Leibnizstraße dürfen teilweise nicht direkt um die Ecke herum parken, da dieser Bereich zum anderen Parkgebiet zählt.  © Stadt Leipzig
© Nico Zeißler

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