Bombe hält Leipzig 15 Stunden in Atem: Unglaubliche Diskussionen verzögerten Entschärfung

Leipzig - Die Sirenen heulten bis in die Nacht hinein durch Leipzig. Immer wieder machten sich Rettungskräfte und der Katastrophenschutz auf den Weg in den Stadtteil Eutritzsch, um die insgesamt etwa 10.000 betroffenen Menschen des Bombenfundes in Sicherheit zu bringen. Doch es gab einige Schwierigkeiten, die die Entschärfung hinauszögerten.

Unter anderem mussten zehn Kitas evakuiert werden. Kinder und Erzieher wurden mit Shuttlebussen zu den Notunterkünften gefahren.
Unter anderem mussten zehn Kitas evakuiert werden. Kinder und Erzieher wurden mit Shuttlebussen zu den Notunterkünften gefahren.  © Silvio Bürger

Einer der Hauptgründe für die verspätete Entwarnung war die Evakuierung mehrerer Pflegeeinrichtungen. Auch mehrere Stationen des Klinikums St. Georg mussten geräumt werden. "Dies stellt einen enormen Kräfteaufwand dar", teilte die Polizei mit. Diese twitterte die wichtigsten Entwicklungen fortlaufend.

Der Transport und die Versorgung der hilfsbedürftigen und teilweise bettlägerigen Menschen musste aufwendig organisiert und durchgeführt werden.

Ein großes Problem waren aber auch unbelehrbare Anwohner, die ihre heimischen Wände nicht freiwillig verlassen wollten. Immer wieder musste sich das Social-Media-Team der Polizei und Feuerwehr und Beamte vor Ort mit Leipzigerinnen und Leipzigern herumstreiten.

Via Twitter teilte eine Frau gegen Mitternacht mit, dass ihre Freundin noch in ihrer Wohnung in der Delitzscher Straße ist und auch alle anderen Anwohner des Blocks noch daheim seien. "Ihre Freundin muss nicht warten, bis die Kollegen bei ihr klingeln. Sie kann selbstständig die Wohnung verlassen", forderten die Einsatzkräfte auf.

Die Frau antwortete: "Das Problem ist bei meiner Freundin wurde nur 1 mal geklingelt und nicht mehr und sie sagt sie geht nicht unnötig raus?" Das ist leider kein Scherz. Auch die Feuerwehr konnte nicht glauben, was sie zu lesen bekam und machte der Twitter-Userin klar: "Eine Evakuierung ist kein unnötiger Grund. Nur wenn ALLE im Sperrkreis ihr Haus verlassen haben kann mit der Entschärfung begonnen werden."

Diskussionen mit Anwohnern verzögern Entschärfung

Unglaublich, aber leider wahr: Diese Diskussion musste die Feuerwehr mit einer Frau führen.
Unglaublich, aber leider wahr: Diese Diskussion musste die Feuerwehr mit einer Frau führen.  © Screenshot/twitter

Dass die Evakuierung erst etwa 15 Stunden nach dem Fund auf einer Baustelle an der Essener Straße abgeschlossen war, lag also auch an Menschen, die sich wissentlich im Sperrkreis aufhielten und aus Bequemlichkeit gern abgeholt werden wollten.

"Je schneller Sie die Wohnungen verlassen, desto schneller kann die Evakuierung abgeschlossen und mit der Entschärfung begonnen werden", wurde mehrfach mitgeteilt.

Teilweise mussten die Einsatzkräfte vor Ort und über die sozialen Netzwerke diskutieren, ob bestimmte Häuser oder Straßenzüge geräumt werden müssen, weil das eigene Wohnhaus einen Zentimeter neben dem Sperrkreis lag.

"Bitte folgen Sie unbedingt den Anweisungen der Kollegen vor Ort", schrieb die Polizei, die gleichzeitig klar machte, dass der Sperrkreis nur eine grobe Orientierung sei.

Die wichtigsten Ereignisse im Ticker

Eine der Notunterkünfte in der 35. Schule in der Virchowstraße.
Eine der Notunterkünfte in der 35. Schule in der Virchowstraße.  © Silvio Bürger

Gegen 10.30 Uhr: Ein privater Bombensuchdienst findet bei Untersuchungen auf der Baustelle in Eutritzsch eine 250 Kilogramm schwere britische Bombe.

14.30 Uhr: Der Sperrkreis wurde analog zum Bombenfund am 3. Dezember auf 1000 Meter festgelegt. Alle in diesem Bereich müssen sich in Sicherheit bringen oder gebracht werden.

15.35 Uhr: Polizei und Feuerwehr bitten, dass Anwohner, die bei Verwandten oder Freunden unterkommen können, den Sperrkreis sofort und eigenständig zu verlassen.

16 Uhr: Die Notunterkünfte öffnen und bieten Kita-Kindern, den Erziehern und Anwohnern Obdach.

21.40 Uhr: Erst 50 Prozent des Gebietes sind evakuiert.

23.35 Uhr: Drei Straßenzüge sind noch offen.

0.40 Uhr: Die Evakuierung ist abgeschlossen.

1.30 Uhr: Die Bombe wurde entschärft.

1.45 Uhr: Die Rückführung der Personen, die eine medizinische Betreuung benötigen, ist in vollem Gange.

Übrigens: Der englische Blindgänger wird in einen speziellen Zerlegebetrieb nach Zeithain (Landkreis Meißen) gebracht, dort auseinandergenommen und fachgerecht entsorgt.

Kurz nach halb 2 in der Nacht durften die Anwohner wieder nach Hause.
Kurz nach halb 2 in der Nacht durften die Anwohner wieder nach Hause.  © Silvio Bürger
Die entschärfte Bombe wird jetzt zerlegt und entsorgt.
Die entschärfte Bombe wird jetzt zerlegt und entsorgt.  © Silvio Bürger

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