Sachse Matthias entkommt Feuerhölle: "Hätte ich geschlafen, wäre ich jämmerlich erstickt!"

Leipzig - Uns steigt ein Geruch von verbranntem Holz in die Nase, als wir die Wohnung von Matthias Albrecht (41) im Leipziger Süden betreten. Die Wände sind verrußt, auf dem Boden liegen Glassplitter der zerplatzten Fenster und Türen. In nur einer Dreiviertelstunde, als der 41-Jährige gerade mit seiner Hündin Gassi ging, zerstörte ein Feuer einen Großteil des Inventars. Wer nun für den Schaden aufkommt, ist unklar.

Auf einer Herdplatte liegt der Stecker einer Verteilersteckdose (r.). Sie soll Auslöser des verheerenden Brandes gewesen sein.
Auf einer Herdplatte liegt der Stecker einer Verteilersteckdose (r.). Sie soll Auslöser des verheerenden Brandes gewesen sein.  © Eric Mittmann

Samstag vor einer Woche. Matthias Albrecht stand kurz nach 10 Uhr auf, nahm eine Dusche, schnappte sich Jack-Russell-Hündin Luna und ging mit ihr Gassi. Eine Dreiviertelstunde später, gegen 11 Uhr, kehrte er zurück und wunderte sich über die Feuerwehr- und Polizeiautos, die auf seiner Straße in der Südvorstadt standen.

Erst kurz vor seiner Haustür wurde ihm klar: "Das ist meine Wohnung, die hier brennt." Eine Nachbarin hatte den Qualm bemerkt und sofort die Feuerwehr alarmiert. "Sie hat zum Glück sehr schnell geschaltet, das hätte sonst auch schlimmer ausgehen können", berichtet uns der Außendienstler für Tiermedizin.

Nachdem die Polizei zunächst von einem technischen Defekts des an der Brandstelle stehenden Kühlschranks ausging, widerrief ein Gutachter diese Einschätzung. "Da der Kühlschrank nicht angeschlossen war, konnte er nicht der Auslöser sein", erzählt Albrecht, "es war die Verteilersteckdose, obwohl sie ausgeschaltet war!" Ihm zufolge war er nach dem Aufstehen nicht einmal in der Küche gewesen.

Wer kommt jetzt für den Schaden auf?

Als Matthias Albrecht (41) von einer Gassirunde mit Hündin Luna zurückkehrte, war nichts mehr so wie vorher.
Als Matthias Albrecht (41) von einer Gassirunde mit Hündin Luna zurückkehrte, war nichts mehr so wie vorher.

Keine der Wohnungen des Mehrfamilienhauses verfügt nach Angaben des Leipzigers über Rauchmelder. Lediglich im Treppenhaus und in den Fluren würden diese hängen. Er ist sich sicher: "Hätte ich geschlafen, wäre ich jämmerlich erstickt!"

Bislang hätten sich weder die zuständige Hausverwaltung noch der Vermieter bereit erklärt, auch in den Wohnungen Rauchmelder zu installieren. Sachsen ist das einzige Bundesland, für das die Rauchmelderpflicht für bestehende Wohnungen nicht gilt. In Berlin, Brandenburg und Thüringen gibt es immerhin Übergangsfristen. In Neubauten müssen hingegen bundesweit Melder installiert werden.

Der glühende Fan des FC Barcelona wollte eigentlich schon im August aus seiner Wohnung ausziehen. Eine Schulter-OP ließ den Plan jedoch platzen. Noch vor dem Eingriff kündigte er seine Hausrat- und Haftpflichtversicherung und nahm diese nach der Operation nicht wieder auf. Da der 41-Jährige seiner Meinung nach nicht Schuld am Feuer war, hofft er, dass die Gebäudeversicherung des Vermieters für den in der Höhe noch ausstehenden Sachschaden aufkommt.

Die zuständige Haus- und Grundstücksverwaltung Beyer aus Leipzig hat auf die TAG24-Anfrage bis zum gestrigen Freitag nicht reagiert. Wir bleiben dran! Übrigens: Lunas Herrchen wohnt jetzt bei seiner Freundin. Sie wollten ohnehin zusammenziehen.

Grauenhafter Blick in die Küche. Brandursache war offenbar eine Verteilersteckdose, die sich auf dem Schrank links neben dem Herd befand.
Grauenhafter Blick in die Küche. Brandursache war offenbar eine Verteilersteckdose, die sich auf dem Schrank links neben dem Herd befand.  © Eric Mittmann
Hier fliegt wohl alles in den Müll.
Hier fliegt wohl alles in den Müll.  © Eric Mittmann
Auch die eigentlich weißen Wände im angrenzenden Wohnzimmer sind komplett schwarz, Bilder hängen halb zerschmolzen nach unten.
Auch die eigentlich weißen Wände im angrenzenden Wohnzimmer sind komplett schwarz, Bilder hängen halb zerschmolzen nach unten.  © Eric Mittmann
Im Bad könnte man denken, eine Schlammlawine wäre zuvor dort durchgerollt.
Im Bad könnte man denken, eine Schlammlawine wäre zuvor dort durchgerollt.  © Eric Mittmann
Das zersprungene Küchenfenster wurde mit einer Holzplatte notdürftig abgedichtet. Die Fenster in den Nebenräumen sind verrußt und teilweise durch die Hitze zerplatzt.
Das zersprungene Küchenfenster wurde mit einer Holzplatte notdürftig abgedichtet. Die Fenster in den Nebenräumen sind verrußt und teilweise durch die Hitze zerplatzt.  © Eric Mittmann

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