Fundhund-Streit! Wurde Suki vom Leipziger Tierheim an die Falschen vermittelt?

Leipzig - Erneut steht das Leipziger Tierheim in der Kritik. Ein gefundener Hund soll dort vermittelt worden sein, obwohl die Finderin betonte, das Jack-Russell-Weibchen behalten zu wollen. Das Tierheim selbst weist alle Vorwürfe von sich. Allerdings werfen beim Veterinäramt vorliegende Akten ein anderes Licht auf den Fall.

Kurz nach der Quarantäne im Tierheim wurde der Jack-Russell-Terrier vermittelt - allerdings nicht an die Finderin, die ihn gern behalten hätte.
Kurz nach der Quarantäne im Tierheim wurde der Jack-Russell-Terrier vermittelt - allerdings nicht an die Finderin, die ihn gern behalten hätte.

Die Fakten zum Fall: Nach Schilderung der Finderin wurde der Jack Russell am 18. Dezember 2017 gefunden. "Wir meldeten den Fund umgehend bei der zuständigen Behörde, dem Veterinäramt", schreibt sie. Die Frau sei gefragt worden, ob sie den Hund noch zwei Tage bei sich aufnehmen könne. Da sich das Fundtier gut mit ihrem Jack-Russell-Dackel-Rüden verstanden hatte, willigte die Finderin ein.

Die Vermutung, das gefundene Weibchen könne aus der Nachbarschaft stammen, bestätigte sich derweil nicht. Am Dienstag habe die Frau dann erneut beim Veterinäramt angerufen und angegeben, den Hund behalten zu wollen. Von der Behörde sei ihr daraufhin ein "Adoptionsvorrecht" zugesprochen worden. Allerdings sollte der Hund aufgrund einer von ihr beschriebenen "speziellen Regelung in Leipzig" vorher ins Tierheim gebracht werden.

So wurde der Jack-Russell-Terrier wie vereinbart am Mittwoch im Auftrag des Veterinäramtes abgeholt und ins Tierheim in den Stadtteil Breitenfeld gebracht. Dort wurde die Hündin routinemäßig in Quarantäne gesetzt. In den beiden Folgetagen habe die Finderin beim Tierheim angerufen und ihre Absicht, das Fundtier zu behalten, bekundet. Am Telefon wurde ihr gesagt, sie solle sich bitte im neuen Jahr wieder melden.

Die Aussagen der Beteiligten widersprechen sich

Die Hündin (l.) soll sich laut der Finderin in kürzester Zeit gut eingelebt und mit ihrem Jack-Russell-Dackel-Rüden verstanden haben.
Die Hündin (l.) soll sich laut der Finderin in kürzester Zeit gut eingelebt und mit ihrem Jack-Russell-Dackel-Rüden verstanden haben.

Nach einigen von der Finderin beschriebenen vergeblichen Versuchen der telefonischen Kontaktaufnahme, erreichte sie das Tierheim erst am 11. Januar telefonisch.

Sie sollte ins Tierheim kommen. Dieser Aufforderung sei sie drei Tage später nachgekommen. Dort durfte sie das Tier jedoch weder sehen noch ausführen. Ihr sei gleichzeitig mitgeteilt worden, dass sie als Halterin ungeeignet sei, "obwohl sich die Hündin bei mir wohlfühlte und sich gut eingelebt hatte", so die Frau.

Bei einem weiteren Telefonat rund zwei Wochen danach wurde der Finderin mitgeteilt, dass die Hündin mittlerweile vermittelt wurde und nun Suki heißt. Da eine zehntätige Probezeit bereits abgelaufen war, sei die Vermittlung auch nicht mehr rückgängig zu machen.

Die Finderin war erbost: "Ich habe keine Abtrittserklärung oder sonstiges Formular unterschrieben, was aber nötig wäre, wenn das Tier in andere Hände übergeht."

Tierheim und Stadt äußern sich zum Fall

Der Leipziger Tierheim-Leiter Michael Sperlich weist jegliche Vorwürfe von sich.
Der Leipziger Tierheim-Leiter Michael Sperlich weist jegliche Vorwürfe von sich.  © Ralf Seegers

Das sagt das Tierheim zu den Vorwürfen: "Es kann nur so gewesen sein, dass die Finderin ihre Rechte abgetreten hat", sagt Tierheim-Leiter Michael Sperlich auf TAG24-Anfrage. "Es gibt keine Abgabepflicht. Sie hätte den Hund nicht abgeben müssen. Meldet ein Finder das Tier jedoch beim Veterinäramt, tritt eine Abtretungspflicht an die Stadt Leipzig in Kraft und der Finder verliert seine Fundrechte", beschreibt Sperlich die juristische Situation. Ebenso gebe es kein Vorkaufsrecht.

"Ich hatte persönlich keinerlei Kontakt mit der Frau. Der Hund wurde uns im Auftrag des Veterinäramtes übergeben. Wir vermitteln anschließend im Auftrag der Kommunen", so Sperlich. Die beschriebene Zusicherung eines "Adoptionsvorrechts" sei "großer Unsinn" und würde einem Mitarbeiter des Veterinäramts nicht über die Lippen kommen. Weiter betont der Tierheim-Leiter, dass der gefundene Hund in solch kurzer Zeit keine Beziehung zu der Frau oder ihrem Hund aufgebaut haben kann. Gleichzeitig betont er eindringlich, Suki nicht wieder aus ihrer jetzigen Familie heraus zu holen. Sperlich: "Das Tier jetzt wieder zurückzuholen, wäre das Schlimmste, was passieren könnte. Ich würde alles daran setzen, dies zu verhindern."

Das sagt die Stadt zum Fall: "Auf Grundlage § 967 BGB werden gefundene Tiere, vor allem Hunde, im Auftrag des Veterinäramtes grundsätzlich abgeholt und zur Verwahrung an den Ersten Freien Tierschutzverein Leipzig und Umgebung e. V. übergeben. Diese Verfahrensweise ist auf Grund früherer, negativer Erfahrungen notwenig", so ein Sprecher der Stadt.

"Das Veterinäramt sichert in keinem Fall ein 'Adoptivrecht' zu", stellt dieser klar. Allerdings würde nichts dagegen sprechen, dass ein Finder ein Tier nachträglich behalten kann, "sofern die sachlichen und persönlichen Voraussetzungen für eine Tierhaltung vorhanden sind" und sich der eigentliche Besitzer nicht innerhalb einer angemessenen Frist im Tierheim meldet. Die Voraussetzungen soll die Finderin laut Tierheim nicht gehabt haben.

Kurios: "Die Bürgerin, bei welcher der Hund abgeholt wurde, ist nicht identisch mit der Finderin", so die Stadt Leipzig. Etwaige Fundrechte würden nur dem Finder zustehen. Auch der Sprecher betont, dass eine Herausnahme Sukis aus ihrer neuen Familie "doch sicher nicht gewollt sein kann."

Im beschriebenen Fall liegen einige Ungereimtheiten vor. Tierheim und Veterinäramt widersprechen Punkten, die die angebliche Finderin aufgeführt hatte. Weshalb sie aber nicht geeignet gewesen sein soll, die Jack-Russell-Hündin bei sich aufzunehmen, ist unklar. Offenbar hatte es geeignetere Interessenten gegeben.

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