Haftstrafe wegen Buttersäure: Galt Anschlag gar nicht Gemkow?

Justizminister Sebastian Gemkow (39) sagte vor dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig gegen den 30-Jährigen Täter aus.
Justizminister Sebastian Gemkow (39) sagte vor dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig gegen den 30-Jährigen Täter aus.  © DPA

Leipzig - Für den Buttersäure-Anschlag auf die Wohnung des sächsischen Justizministers Sebastian Gemkow (CDU) ist ein 30-Jähriger aus der rechten Fußballszene zu zwei Jahren und vier Monaten Haft verurteilt worden. Hatte er sich im Haus geirrt?

Das Amtsgericht Leipzig sprach den einschlägig vorbestraften Mann am Montag der versuchten gefährlichen Körperverletzung sowie der Sachbeschädigung schuldig (TAG24 berichtete).

Das Gericht ging allerdings davon aus, dass der Angriff im November 2015 gar nicht Gemkow gegolten hatte. Vielmehr hätten die etwa zehn vermummten Angreifer, zu denen der Verurteilte gehört habe, eine benachbarte linke Wohngemeinschaft treffen wollen und sich nur in den Fenstern geirrt.

Der 30-Jährige nahm den Urteilsspruch sichtlich wütend auf. Ob er Rechtsmittel einlegen wird, blieb offen.

Die Täter hatten laut Gericht mitten in der Nacht zwölf große schwere Granitsteine gegen die Fenster der Erdgeschosswohnung geschmettert. Die Scheiben waren mit einer Schlagschutzfolie gesichert. Trotzdem landeten zwei Steine im Wohnzimmer. Anschließend wurden mit Buttersäure gefüllte Weihnachtsbaumkugeln hinterhergeworfen. Gemkow schlief zu der Zeit mit seiner Familie in der Wohnung. Verletzt wurde niemand.

Der 30-Jährige hatte im Prozess geschwiegen. Dennoch hatte das Gericht "keinen ernsthaften Zweifel daran, dass der Angeklagte an der Tat beteiligt gewesen ist", wie die Richterin sagte. Zum einen wurde eine DNA-Spur des Mannes an einer Verpackung der Weihnachtsbaumkugeln gefunden.

"Die Tat ist offensichtlich akribisch vorbereitet worden. Es ist nur dem Zufall zu verdanken, dass es keine Opfer gegeben hat", sagte die Richterin. Es gehöre "Einiges an krimineller Energie" dazu, "im Dunkeln eine Wohnung anzugreifen und Menschen im Schlaf zu attackieren."

Titelfoto: DPA


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