Connewitz-Attacke: Das verlangt Leipzigs Polizeichef von den Einwohnern

Leipzig - Ein Polizist wird bei Ausschreitungen in der Silvesternacht am Connewitzer Kreuz in Leipzig lebensgefährlich verletzt. Der Vorfall sorgt deutschlandweit für Entsetzen und wirft Fragen auf: Hat Connewitz ein Problem mit Linksextremismus? Nimmt das Gewaltlevel zu? Wie sollte damit umgegangen werden? Nun äußerte sich Leipzigs Polizeichef Torsten Schulze (55) ausführlich dazu.

Bei Krawallen am Connewitzer Kreuz wurde in der Silvesternacht ein Polizist lebensgefährlich verletzt.
Bei Krawallen am Connewitzer Kreuz wurde in der Silvesternacht ein Polizist lebensgefährlich verletzt.

In einem Interview mit "MDR Aktuell" schilderte der Polizeipräsident zunächst die Vorgänge am Connewitzer Kreuz in der Silvesternacht. Demnach habe der Jahreswechsel zunächst friedlich begonnen. Gegen 0.15 Uhr habe sich die Stimmung dann jedoch gedreht und Polizisten worden "massiv mit Steinen, Flaschen und Feuerwerkskörpern angegriffen."

"Eine Gruppe von Gewalttätern hat auch versucht, einen brennenden Einkaufswagen mitten in eine Einheit der Bereitschaftspolizei zu schieben. Beim Versuch, Tatverdächtige zu stellen, ist es leider passiert, dass ein Beamter so schwer verletzt wurde, dass er das Bewusstsein verlor und im Krankenhaus operiert werden musste", so Schultze.

Zwar würde es am Connewitzer Kreuz immer wieder zu Straftaten kommen. Von einem Problem mit Linksextremismus rund um das Kreuz wollte der Polizeichef dennoch nicht reden. "Ein Linksextremisten-Problem gibt es nicht am Connewitzer Kreuz, das gibt es in Leipzig." Es gäbe einige Schwerpunktbereiche, "aber hier in diesem Stadtteil leben viele Menschen, sowohl junge Menschen als auch Familien und Senioren. Das ist für mich ein Stadtteil, im Grunde wie jeder andere."

Linksextremismus in Leipzig: "Wichtig, dass sich die Stadtgesellschaft klar positioniert"

Die Angreifer sollen die Beamten gezielt attackiert haben.
Die Angreifer sollen die Beamten gezielt attackiert haben.

Auf die Frage, ob das Gewaltniveau zunehme, entgegnete Schutze zunächst, dass es auch in der Vergangenheit sowohl ruhigere als auch gewalttätigere Jahre gegeben habe.

Gleichzeitig habe er den Eindruck, dass die Zahl der Straftaten seit den Landtagswahlen in Sachsen im September zugenommen habe. "Es werden Baustellen angegriffen, Menschen in ihren Wohnungen überfallen, Polizisten aus Demonstrationen heraus angegriffen."

Für ihn sei dies eine Entwicklung, die es zum einen zu beobachten gilt. "Wo wir aber auch tätig werden und ermitteln müssen und uns gerade auch im Interesse der vielen Menschen, die in den Stadtteilen wohnen, wo Linksextremisten scheinbar die Überhand haben, nicht verstecken, sondern Präsenz zeigen sollten."

Dem Polizeipräsidenten zufolge hat die Behörde im Bereich des Strafrechts die Befugnisse, die sie braucht. Auf das Thema Gefahrenabwehr ging Schultze dagegen nicht ein. "Für mich ist einzig wichtig, dass sich die Stadtgesellschaft gegen den Extremismus und gegen Gewalttaten klar positioniert. Erst, wenn das geschehen ist, und Straftaten nicht mehr passieren, dann können wir uns auch zurückziehen." Das Problem mit Extremismus könne nur gesellschaftlich geklärt werden.

Auch Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (61, SPD) äußerte sich gegenüber "MDR Aktuell" nochmals zum Vorfall. "Ich finde es unglaublich, wie verroht diese Situation war. Menschen in Uniform sind Menschen. Diese Selbstverständlichkeit scheint vielen verloren gegangen zu sein."

Er hoffe, dass die Sächsische Polizei und die Sächsische Sonderkommission "diese Gewalttäter ganz schnell findet", so Jung.

Torsten Schultze (55) hat sich umfangreich zu den Geschehnissen in der Silvesternacht geäußert.
Torsten Schultze (55) hat sich umfangreich zu den Geschehnissen in der Silvesternacht geäußert.  © Petra Hornig

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