Eiscafé am See niedergebrannt: Verpächter wehrt sich gegen Wiederaufbau

Leipzig - Das Eiscafé Sunset am Cospudener See war nicht mehr zu retten. Bis auf die Grundmauern brannte die kleine Holzhütte am Nordufer im Dezember vergangenen Jahres ab. Inhaber Gerd Helmchen (50) stand von heute auf morgen vor dem Nichts. Jetzt erhebt er schwere Anschuldigungen an den Verpächter des Grundstücks.

Das Gelände am Cospudener See, wo noch bis Anfang Dezember das Eiscafé Sunset stand, ist aktuell eingezäunt.
Das Gelände am Cospudener See, wo noch bis Anfang Dezember das Eiscafé Sunset stand, ist aktuell eingezäunt.  © Nico Zeißler

Zehn Jahre hätte es das Eiscafé Sunset in diesem Sommer gegeben. Ein Jubiläum, das Gerd Helmchen sowie seine beiden Angestellten (54, 56) leider nicht feiern werden. Wo einst die beliebte kleine Hütte nördlich des Cossis stand, liegt jetzt Brachland. Am 10. Dezember ist das Eiscafé einem Feuerteufel zum Opfer gefallen. Dass es Brandstiftung war, wurde bei einem Gutachten belegt.

100.000 Euro beträgt der Schaden zirka. Die Hütte selbst gehörte der Stadt. Deren Versicherung kam für den Schaden auf. Alles was drin war, hat allerdings Gerd Helmchen bezahlt. Da er damals keine Versicherung fand, die ihn mit der Holzhütte unter Vertrag nehmen wollte, bleibt er auf dem Schaden sitzen. "Der Brand hat meine Existenz ruiniert", schildert Gerd Helmchen im Gespräch mit TAG24.

Seit Mitte Mai hat der alleinerziehende Vater eines zehnjährigen Kindes einen kleinen Imbiss im Muldentalbad in Kleinbothen bei Grimma. Dort verkauft er jetzt Softeis. Eine Mitarbeiterin musste er entlassen, die andere hat er in dem Bad untergebracht. "Die haben ja beide vorm Nichts gestanden. Eine von ihnen fährt jetzt jeden Tag 90 Kilometer zur Arbeit, die andere arbeitet halbtags in einem befreundeten Büro. Aber immerhin mussten sie so nicht zum Arbeitsamt."

Wer ist Schuld an dieser Misere samt Rattenschwanz? Gerd Helmchen hat da einen Verdacht.

"Trotz Brandanschlag bald wieder da", steht auf einem Plakat an dem Bauzaun. Doch die bei Radfahrern und Badegästen beliebte Eisdiele wird es nun nicht mehr geben.
"Trotz Brandanschlag bald wieder da", steht auf einem Plakat an dem Bauzaun. Doch die bei Radfahrern und Badegästen beliebte Eisdiele wird es nun nicht mehr geben.  © Nico Zeißler

"Entweder ein Mitbewerber oder irgendwelche Halbstarken, wobei letzteres eher nicht zu der Jahreszeit passt", so Helmchen. Er denkt an seinen ehemaligen Verpächter. Dem gehört auch die Hacienda Cospuden. Im Eiscafé Sunset sah er wohl eine Konkurrenz für seine Imbiss-Gaststätte. "Mein Verpächter Herr Conrad hat der Stadt schon im Sommer vergangenen Jahres ein Papier vorgelegt mit der Strategie für den Cossi bis 2020."

Den Vertag mit dem 50-Jährigen konnte der Verpächter nicht aufkündigen, es sei denn, das Eiscafé Sunset wird zerstört. "Nach dem Brandanschlag kam Herr Conrad natürlich easy aus dem unbefristeten Pachtvertrag raus. Zusätzlich hat er mir zum 31. Dezember 2018 gekündigt. Die Staatsanwaltschaft hat zwar nichts ermittelt, aber wenn man die ganzen Punkte aneinander reiht, passt ihm das ja zufällig in den Kram. Jetzt kann er sein Strategiepapier ohne das Eiscafé verfolgen", klagt Gerd Helmchen an.

In seinen Augen ebenfalls auffällig: Er durfte auch keine "Notlösung" errichten. "Ich wollte zwei, drei Container aufstellen, aber der Vorschlag wurde von der Stadt abgelehnt. Offiziell. Inoffiziell wurde das sicher vom Verpächter nicht gewollt. Jetzt kann ich dort und an den anderen Seen gar nichts machen. Conrad steckt ja überall drin. Er verpachtet sämtliche Flächen um den Cossi und den Kulki", beschwert sich der alleinerziehende Vater im Interview mit TAG24.

Mit Wehmut denkt er an die alten Zeiten zurück. "Als wir damals das Grundstück übernommen haben, war das eine heruntergewirtschaftete Hütte. In den letzten zwei, drei Jahren lief das wirklich einigermaßen gut, so dass auch saisonale Kräfte mitbeschäftigt wurden." Von Seiten der Stadt kann Helmchen nicht auf Unterstützung hoffen. Und auch der Verpächter lässt nicht mit sich reden. "Ich habe mit Herrn Conrad kein Wort persönlich sprechen können. Ich bin nicht einmal per Telefon an ihn herangekommen. Der Kontakt lief ausschließlich schriftlich. Er hat mir schriftlich den Pachtvertrag gekündigt. Aber ich weiß ja, dass er ein Büro am Hafen hat. Wenn ich dort hinfahre, weißt mich seine Sekretärin immer wieder ab und behauptet, dass er nicht da ist. Dabei sehe ich draußen ja sein Auto stehen!"

Gerd Helmchen hofft, dass das letzte Wort noch nicht gesprochen ist. "Gern würde ich mit Herrn Conrad an einem neuen Konzept arbeiten und 2019 wieder am Cossi mit dem besten Softeis der Stadt das Publikum verwöhnen", so der 50-Jährige. Schadenersatzforderungen habe er für Umsatzausfälle noch nicht geltend gemacht, schließlich wurde ihm erst zu Ende Dezember gekündigt.

Auf eine Anfrage von TAG24 hat sich der Verpächter bislang nicht zu Wort gemeldet. Ob er die schweren Anschuldigungen von Gerd Helmchen auf sich sitzen lässt?

Gerd Helmchen steht wenige Tage nach dem verheerenden Brand neben den Resten seines Eiscafé Sunset. Der ehemalige Inhaber geht von Brandstiftung aus.
Gerd Helmchen steht wenige Tage nach dem verheerenden Brand neben den Resten seines Eiscafé Sunset. Der ehemalige Inhaber geht von Brandstiftung aus.  © TNN