Adel Tawil über schreckliches Erlebnis: "Überall sind Leute rumgerannt und haben geschrien"

Leipzig - Am Donnerstagabend begeisterte Pop-Sänger Adel Tawil genau 100 seiner Fans beim "Radio PSR Hörerkonzert" im Leipziger Beyer-Haus. Am 21. Januar bereits wird der Radioliebling wieder in der Messestadt auftreten. TAG24 hat ihn getroffen und über sein neues Album "Alles lebt", seine Sneaker-Sucht und Urlaub auf Hawai gesprochen.

Im Leipziger Beyerhaus beglückte der Schmuse-Sänger genau 100 Fans.
Im Leipziger Beyerhaus beglückte der Schmuse-Sänger genau 100 Fans.  © Radio PSR

TAG24: Freust Du Dich heute in Leipzig zu sein? Was hast Du hier schon für Erfahrungen gemacht?

Adel Tawil: In Leipzig bin ich immer sehr gerne, ich feiere diese Location auch. So einen Saal finde ich viel besser als eine große Halle, in der man so ein riesiges Konzert pressen muss. Man kann in Leipzig auch super essen gehen, ich liebe den Weihnachtsmarkt.

Eine andere Verbindung hab ich zu Dresden. Da sind wir leider dieses Mal nicht für die Halle-Tour, einer meiner neuen Songs ist auch über, beziehungsweise für diese Stadt, er heißt "Wohin soll ich gehen?" Das rührt aus einer Erfahrung, die ich dort habe machen müssen.

Einmal war ich da privat in einem Hotel, wollte mir meinen Hund schnappen und an einem Montag einen Spaziergang durch die Stadt machen. Da riet mir ein Mitarbeiter, das doch lieber nicht zu tun - wegen Pegida. Da kann es zu verbalen und tätlichen Übergriffen kommen. Das hat mich schon ein bisschen geschockt, dass das die Leute so sehr beeinflusst. Die Leute sind so sensibilisiert für das Thema, dass sie manchmal übertreiben. Ich bin natürlich trotzdem spazieren gegangen.

Adel Tawil : "Privat sind harte Rapper ganz lieb"

Im Januar kehrt der Sänger bereits in die Messestadt zurück.
Im Januar kehrt der Sänger bereits in die Messestadt zurück.  © Radio PSR

TAG24: Sido, Summer Cem, auf dem neuen Album ist es Bausa: Wie ist es als "Schmuse-Sänger" mit so harten Rappen zusammen zu arbeiten?

Adel Tawil: Privat sind die ja alle superlieb. Vielmehr, manche haben sogar das Gefühl, dass sie ziemlich krass in diesem "Korsett" eines Gangster-Rappers gefangen sind, also über dicke Karren, Geld und Frauen singen zu müssen, weil das irgendwie erwartet wird. Bis jetzt haben die Zusammenarbeiten aber immer sehr harmoniert. Ich komme ja ursprünglich auch aus dem Hip-Hop-Bereich, so habe ich früher angefangen. Ich finde aber, dass man heutzutage eine gewisse Verantwortung hat. In Zeiten von "Fridays For Future" kannst du den Kids nicht nur von deiner fetten Rolex erzählen, da sollte man sich meiner Meinung nach auch wichtigen Themen widmen können.

TAG24: In Deinem neuen Song "Katsching" geht es, kurz gesagt, um Kapitalismus, über das "Immer-mehr-haben-wollen". Auf was kannst Du denn schwer verzichten?

Adel Tawil: Eindeutig Sneaker! Nach denen bin ich süchtig, ich hatte mal über 200 Paar. Ja, das ist viel, aber ich bin jetzt nicht jemand, der mit dem Finger auf jemanden zeigt, der einen Mercedes fährt, ich schaue auch immer auf mich selbst. Ich bin ja vor kurzem Papa geworden, da wird es mit 'nem riesigen Schuhschrank in einer normalen Altbauwohnung eng. Ich hab mich also von einem Großteil der Schuhe getrennt, hab viele gespendet und verschenkt.

Eines meiner nächsten Projekte wird auch sein, dass ich einen eigenen Schuh mit designe, da hab ich schon eine coole, nachhaltige Firma gefunden, mit der ich das machen möchte.

Atombomben auf Hawaii

Rapper sollten nicht nur über die fette Rolex am Handgelenk oder den Benz vor der Tür singen, findet Adel Tawil.
Rapper sollten nicht nur über die fette Rolex am Handgelenk oder den Benz vor der Tür singen, findet Adel Tawil.  © Radio PSR

TAG24: Einer deiner neuen Songs heißt Hawaii, Du hast Teile Deines Albums dort produziert. Was verbindet Dich mit der Insel?

Adel Tawil: Hawaii ist eine ganz andere Welt. Ich kam aus dem Großstadtdschungel Berlin und bin quasi im echten Dschungel gelandet. Wir haben uns da in einer kleinen Hütte mitten im Wald aufgehalten, alles war ruhig und so ganz anders, und aus dieser Perspektive überdenkst du die Dinge, die in deinem Leben passieren dann nochmal und findest das auf einmal ganz absurd, worüber man sich so Gedanken macht.

TAG24: Ein weiterer Song mit nicht ganz so friedlicher Stimmung ist ebenfalls auf Hawaii entstanden.

Adel Tawil: Während meines letzten Aufenthalts dort hat es urplötzlich einen Militäralarm gegeben, angeblich stünde Hawaii kurz vor einem Raketenangriff. Überall sind Leute rumgerannt und haben geschrien, ihre Kinder versteckt. Wir haben noch überlegt, sollen wir jetzt auf den Vulkan oder in der Hütte bleiben und mein Kumpel meinte dann: "Wenn die tatsächlich mit Atombomben schießen, dann ist es eh vorbei!" Nach etwa 45 Minuten hat es sich aber als Fehlalarm herausgestellt. Da sind wir sofort zurück in die Hütte und haben einen Song daraus gemacht, der heißt "Atombomben".

Nach dem Interview war Adel dann für einige alte und neue Songs auf der Bühne des Beyerhauses zu sehen. 100 Fans, die den Eintritt über ein Gewinnspiel von Radio PSR gewonnen hatten, verließen die Location glücklich und zufrieden nach rund einer Stunde Musik.

Von der hübschen Location war nicht nur Adel Tawil begeistert.
Von der hübschen Location war nicht nur Adel Tawil begeistert.  © Radio PSR

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