Dauerbeschallung! So dreist werden Gammler am Hauptbahnhof vertrieben

Schluss mit Gammeln! Am Leipziger Hauptbahnhof läuft klassische Musik aus eigens an der Fassade angebrachten Boxen. (Symbolbild)
Schluss mit Gammeln! Am Leipziger Hauptbahnhof läuft klassische Musik aus eigens an der Fassade angebrachten Boxen. (Symbolbild)  © Ralf Seegers

Leipzig - Zugegeben: Es war kein Rosenduft, der Leipziger Ankömmlingen in die Nase schwirrte, wenn sie die Westhalle am Hauptbahnhof verließen. Punks, Bettler, Betrunkene säumten den Ausgang. Mit entsprechender Geruchswelt.

Doch damit ist seit Tagen Schluss. Klassische Musik dröhnt aus Boxen über dem Westhallen-Eingang. Für Musik-Liebhaber ein Schmaus, für Gammler ein Graus.

Die hatten schon kurz nach Installation der Dauerbeschallung genug, zogen mit Sack und Pack vom einstigen Lieblingsplatz ab.

Doch wer steckt hinter den Klassik-Klängen? Offenbar ließ das Center-Management der Promenaden im Hauptbahnhof die Boxen an der Fassade anbringen. Die Gammler vertreiben habe man damit allerdings nicht gewollt, beteuert Promenaden-Manager Thomas Oehme (40) gegenüber Bild.

"Wir wollten einfach dem Ambiente und der langen Tradition der Musikstadt Leipzig Rechnung tragen. Denn so werden Gäste gleich mit klassischer Musik freundlich empfangen“, so Oehme.

Aber ist dem wirklich so? Wurde die Beschallung ganz ohne Hintergedanken installiert? Fakt ist, in einigen deutschen Großstädten verjagen die Rathäuser Drogenabhängige, Punks, Trinker mit den Klassik-Klängen von öffentlichen Plätzen, aus U-Bahn Haltestellen.

Dieses Gefühl wird auch Linken-Stadträtin Juliane Nagel nicht los. "Es entsteht der Eindruck, als wenn die Musik auf die Vertreibung der Personen abzielt und als subtiles ordnungspolitisches Mittel eingesetzt wird", sagte sie Bild.

Nagel fragte bei der Stadt an, ob die Klassik-Klänge (sechs Stunden-Schleife, mit Stücken aus dem 16. bis 19. Jhdt.) genehmigt wurden. Center-Manger Oehme: "Wir haben eine Genehmigung der Stadt."

Die würde ohnehin froh sein, wieder mehr Ordnung am Westhallen-Eingang zu haben.

Titelfoto: Ralf Seegers


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