Eisenbahnstraße Leipzig: Hier wird um Opfer der Hanauer Blutnacht getrauert

Leipzig - Am Donnerstagabend haben zahlreiche Menschen in Leipzig den Opfern der tödlichen Schießereien im hessischen Hanau gedacht.

Etwa 1000 Menschen kamen 20 Uhr zusammen.
Etwa 1000 Menschen kamen 20 Uhr zusammen.  © News5/Grube

Etwa 1000 Menschen trafen sich um 20 Uhr am Otto-Runki-Platz an der Eisenbahnstraße, legten Blumen nieder und zündeten Kerzen an. Bewusst hatten sich die Organisatoren, unter anderem von "Unteilbar" und "Kanackattack", für diesen Ort entschieden, da hier viele kurdische Menschen wohnen.

Die friedliche Demo wurde von Polizeikräften begleitet und abgesichert.

Insgesamt wurde deutschlandweit in über 70 Orten der schrecklichen Tat gedacht. Allein in Berlin und Hanau kamen laut Organisatoren jeweils 5000 Menschen zusammen.

Bei der mutmaßlich rassistischen Gewalttat in Hanau hatte ein Mann in der Nacht zu Donnerstag zehn Menschen und sich selbst getötet.

Stunden nach dem Verbrechen in zwei Shisha-Bars mit neun Toten entdeckte die Polizei die Leiche des mutmaßlichen Todesschützen Tobias R. (†43) in seiner Wohnung in Hanau. Dort fanden Spezialkräfte auch die tote Mutter des Mannes, die er offenbar zuvor erschossen hatte.

Leipziger Rechtsextremismusforscher: "Auf Dauer hilft nur eine Veränderung in den Köpfen der Menschen"

Oliver Decker, Rechtsextremismusforscher von der Uni Leipzig, sieht die Gesellschaft in der Verantwortung.
Oliver Decker, Rechtsextremismusforscher von der Uni Leipzig, sieht die Gesellschaft in der Verantwortung.  © picture alliance/dpa

Der Leipziger Rechtsextremismusforscher Oliver Decker sieht nach dem mutmaßlich rechtsradikalen und rassistischen Anschlag im hessischen Hanau die Gesellschaft in der Verantwortung.

Mögliche Bedrohungen müssten ernst genommen werden, sagte der Wissenschaftler von der Universität Leipzig der Deutschen Presse-Agentur.

"Die AfD ist für die Zuspitzung des gesellschaftlichen Diskurses, für die Zunahme von Konflikt und Aggression im politischen Diskurs verantwortlich", sagte Decker.

Gleichzeitig seien Hass und Rassismus auch immer wieder von Vertretern anderer Parteien bedient worden, betonte der Rechtsextremismusforscher. Mit Blick auf die scharfen Reaktionen vieler Parteien in Richtung AfD sagte er: Die Partei werde die Vorwürfe wohl nutzen, "um sich als Opfer zu suggerieren".

Die Reaktionen auf den Anschlag in Hanau deuteten insgesamt darauf hin, dass die gesellschaftliche Polarisierung anhalte und keine Reflexion stattfinde. Dabei ist nach Einschätzung Deckers eben diese notwendig: "Auf Dauer hilft nur eine Veränderung in den Köpfen der Menschen und die Reflexion rassistischer Vorurteile und Ressentiments."

Zudem müsste die Perspektive der Opfer beachtet und ernstgenommen werden, sagte der Wissenschaftler.

Hunderte Leipziger gedachten an der Eisenbahnstraße den Opfern.
Hunderte Leipziger gedachten an der Eisenbahnstraße den Opfern.  © News5/Grube
In der Terrornacht waren in Hanau insgesamt elf Menschen ums Leben gekommen, darunter der Täter und seine Mutter.
In der Terrornacht waren in Hanau insgesamt elf Menschen ums Leben gekommen, darunter der Täter und seine Mutter.  © News5/Grube

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