"Mieten-Wahnsinn"! Leipziger wollen teure Wohnpreise nicht mehr hinnehmen

Leipzig - In Leipzig, Erfurt und anderen Städten im Osten wollen Einwohner am Samstag gegen Verdrängung und steigende Mieten auf die Straße gehen.

Um 14 Uhr soll die Demonstration auf dem Bayerischen Bahnhof starten.
Um 14 Uhr soll die Demonstration auf dem Bayerischen Bahnhof starten.  © Screenshot/ Facebook, Leipzig für alle

"Man merkt, dass sich was verändert und dass Wohnen auf dem Weg ist, das drängendste Problem in der Stadt zu werden", sagt Elisa Gerbsch (28) vom Bündnis "Leipzig für Alle", das zur Demonstration in der Messestadt aufruft.

Die Durchschnittsmiete sei mit 6,67 Euro pro Quadratmeter in Leipzig zwar längst nicht so hoch wie andernorts. Aber Neubauten würden nicht mehr unter zehn Euro Kaltmiete pro Quadratmeter angeboten.

Zudem ist die Armutsquote in der Messestadt laut Gerbsch mit 22 Prozent noch immer eine der höchsten in Deutschland. Etwa ein Drittel der Leipziger arbeite im Niedriglohnbereich. Steigende Mieten träfen besonders die unteren Einkommensgruppen, Alleinerziehende oder Migranten. Verdrängung sei die Folge.

Dass es im Umland noch günstigen Wohnraum gibt, lässt "Leipzig für Alle" als Argument nicht gelten. "Für uns zählt der Wert der Selbstbestimmung. Menschen sollen dort wohnen, wo sie wollen", betont Bündnis-Sprecher Tobias Peter (40).

Der Protestzug "Mietenwahnsinn stoppen" startet um 14 Uhr am Bayerischen Platz..
Der Protestzug "Mietenwahnsinn stoppen" startet um 14 Uhr am Bayerischen Platz..  © Screenshot/ Facebook, Leipzig für alle

Auch in Dresden organisiert ein Aktionsbündnis in der Innenstadt eine Demo gegen den "Mietenwahnsinn".

Die Wohnungssituation in der sächsischen Landeshauptstadt werde für viele Menschen immer schwieriger, heißt es in dem Aufruf. Die Angebotsmiete liegt mit 7,60 Euro pro Quadratmeter in Dresden schon höher als in Leipzig. Dazu kommt eine Leerstandsquote von nur 1,9 Prozent.

In der Elbestadt fehlen in den nächsten Jahren etwa 10.000 Sozialwohnungen, in Leipzig sind es gut 4400. Das geht aus einer Antwort von Innenminister Roland Wöller (CDU) auf eine parlamentarische Anfrage der Grünen-Fraktion im Landtag hervor. In Chemnitz fehlen den Angaben zufolge etwa 1530 Sozialwohnungen, um den Bedarf zu decken.

Das Bündnis "Leipzig für Alle" fordert daher eine Ausweitung der sozialen Wohnungsbauförderung. Das Landesprogramm, das in Dresden und Leipzig die Schaffung von je 500 günstigen Wohnungen ermögliche, reiche nicht aus. Wenn sich das Wachstum von Leipzig weiter fortsetze, seien 2500 Wohnungen pro Jahr nötig, sagt Peter. Auch dürfe die Mietpreisbindung nicht nur für 15 Jahre gelten. Das habe in Deutschland zu einem Schwund von Sozialwohnungen geführt, weil sie nach 15 Jahren zu ganz anderen Mieten angeboten würden.

Um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen, gehen Bürger am Samstag bundesweit auf die Straße. In Leipzig startet der Demonstrationszug um 14 Uhr am Bayerischen Bahnhof.

Titelfoto: Screenshot/ Facebook, Leipzig für alle

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