Professorin warnt vor Anzeichen von Depression im Profifußball

Leipzig - Im WM-Auftaktspiel wirkte Weltmeister Deutschland merkwürdig gehemmt. Frühere Leistungsträger agierten fahrig bis kopflos. Eine Erklärung dafür ist möglicherweise in der Studie der Leipziger Sportpsychologin Dr. Anne-Marie Elbe (45) zum Druck im Profifußball zu finden. Titel: „Wenn Perfektionismus zum Problem wird“.

Untersuchte, wie Profi-Fußballer mit psychischem Druck umgehen: die Leipziger Sportpsychologie-Professorin Anne-Marie Elbe (45).
Untersuchte, wie Profi-Fußballer mit psychischem Druck umgehen: die Leipziger Sportpsychologie-Professorin Anne-Marie Elbe (45).  © Universität Leipzig

"Was viele Leistungssportler auszeichnet, ist der Perfektionismus", sagt Anne-Marie Elbe, Professorin für Sportpsychologie an der Uni Leipzig.

Der wirke erst mal positiv, motivierend. Aber er könne auch Angst erzeugen, nämlich die Angst davor, nicht perfekt zu sein.

"Und die treibt viele Profi-Fußballer um, gepaart mit der Angst vor der Bewertung durch andere, der sogenannten sozialen Angst", weiß die Expertin aus der aktuellen Forschung.

Für ihre Studie untersuchte die bis 2017 in Kopenhagen tätige Wissenschaftlerin 323 Fußballer von dänischen und schwedischen Erstligisten und U19-Teams.

Bei jedem sechsten Profi (17 Prozent) fand Dr. Elbe Symptome einer Depression - wie Appetitlosigkeit und Gefühle von Hilflosigkeit.

Die Erwartungen an den Weltmeister - könnte dieser enorme Druck die deutsche Elf lähmen? Eine Ferndiagnose lehnt die Sportpsychologin ab. "Das würde meinem beruflichen Ethos widersprechen."

Aber sie verweist auf Studienergebnisse zu Individualsportarten, wonach es für Titelträger schwierig ist, nach dem großen Sieg die Motivation aufrechtzuerhalten.

Hängende Köpfe beim deutschen Team nach der Mexiko-Niederlage. War der Erwartungsdruck zu groß?
Hängende Köpfe beim deutschen Team nach der Mexiko-Niederlage. War der Erwartungsdruck zu groß?  © Imago

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