Die Liebe blüht wieder auf: Witwe und Witwer finden nach Schicksalsschlägen ihr großes Glück

Von Thomas Gillmeister

Delitzsch - Neben Liebstöckel und Lavendel gedeiht in diesem Garten auch die Liebe.

Nicht nur ihr gemeinsames Hobby verbindet Christel und Horst Zikarsky. Vor allem aber half es beim Kennenlernen.
Nicht nur ihr gemeinsames Hobby verbindet Christel und Horst Zikarsky. Vor allem aber half es beim Kennenlernen.  © Picture Point/Roger Petzsche

Christel (76) und Horst (81) Zikarsky aus Delitzsch hegen und pflegen sie. Denn das Paar weiß, wie wertvoll das gemeinsame Glück ist. Beide Hobbygärtner verloren nach vielen Ehejahren den Partner. Nun wagen sie im Herbst des Lebens einen zweiten Anlauf.

Sie gärtnern zusammen in trauter Zweisamkeit. Als wäre es schon immer so gewesen. Dabei beackerten die Naturfreunde früher jeder selbst ihre eigene blühende Scholle, nur rund einhundert Meter voneinander entfernt. Die Laubenpieper kannten sich, grüßten sich und plauderten auch mal über den Zaun hinweg über Gott, den Garten und das Schicksal. Das stellte sie auf eine harte Probe.

Christels erster Mann erkrankte an Multiple Sklerose. Nach seinem Tod bewirtschaftete die gelernte Keramikmalerin ihren Kleingarten allein. Jahre später sah sie, wie Horst Zikarsky seine erste Frau aufopferungsvoll pflegte.

"Ich zog den Hut vor ihm, weil ich aus eigenem Erleben wusste, was eine tägliche 24-Stunden-Pflege bedeutet", erinnert sich Christel. "Und außerdem hielt er damals auch noch als Vorsitzender vom Kleingartenverein alle Fäden in der Hand."

Über 50 Jahre war der Diplom-Ingenieur mit seiner Ingrid verheiratet. 2012 musste er Abschied von ihr nehmen. Er stürzte sich danach noch intensiver in die Vereinsarbeit, damit die Trauer nicht alles überschattete. In der Schrebergartenkolonie, nur wenige Schritte von seinem Zuhause entfernt, war er abgelenkt, löste kleine und große Probleme, hielt die grüne Gemeinschaft mit den 86 Parzellen zusammen.

Schließlich haben sie sich getraut...

Zu zweit schiebt sich's besser: Das Pärchen im grünen Paradies.
Zu zweit schiebt sich's besser: Das Pärchen im grünen Paradies.  © Picture Point/Roger Petzsche

"Er ist ein Kümmerer, ohne das an die große Glocke zu hängen", lobt Christel vom rund 350 Quadratmeter großen Gartenparadies Nummer 67. An einem lauen Sommerabend kam sie dort länger mit Horst ins Gespräch. Aus der flüchtigen Sekundenfrage „Hallo, wie geht’s?“ wurde eine stundenlange angeregte Unterhaltung.

Die Witwe und der Witwer redeten sich die Einsamkeit von der Seele. Am nächsten Tag tranken sie schon gemeinsam einen Kaffee. Immer öfter trafen sie sich im Garten. Aus dem zarten Pflänzchen Sympathie wuchs Liebe heran. "Wir gingen beide den gleichen Weg. Das schweißt zusammen", erzählt Christel, die von Horst einen Heiratsantrag erhielt.

Schließlich haben sie sich getraut. Heimlich. Die Mutter eines erwachsenen Sohns und der Vater einer erwachsenen Tochter wollten ganz für sich allein sein und den einzigartigen Augenblick im Herbst des Lebens auskosten. Erst danach erfuhren die Familien und Freunde von der ungewöhnlichen Hochzeit.

"Alle waren begeistert", sagt Horst Zikarsky freudestrahlend. Er hat inzwischen sogar seinen eigenen Garten aufgegeben und sät, pflanzt und erntet nun mit seiner Christel gemeinsam. "Ein schönes Gefühl", schwärmt er und genießt mit ihr den Sommer.

Geheiratet wurde "heimlich" in Quedlinburg - echt romantisch.
Geheiratet wurde "heimlich" in Quedlinburg - echt romantisch.  © privat/Repro: Picture Point/Roger Petzsche

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