Gegen Gentrifizierung: Hier werden Vermieter tyrannisiert

"Solange die Wohnungsfrage dem 'freien Markt' überlassen wird,
bleiben Entmietungen und Zwangsräumungen die Regel und ein häufiges Mittel zur
Profitmaximierung", so die Sprecherin des Kollektivs.
"Solange die Wohnungsfrage dem 'freien Markt' überlassen wird, bleiben Entmietungen und Zwangsräumungen die Regel und ein häufiges Mittel zur Profitmaximierung", so die Sprecherin des Kollektivs.  © Haunted Landlord

Berlin/Leipzig/Frankfurt (Main) - Mieter werden aus ihren Wohnungen geworfen, diese werden aufgemotzt und gewinnbringend weitervermietet beziehungsweise verkauft. Gentrifizierung ist in deutschen Großstädten längst an der Tagesordnung.

Ein Künstlerkollektiv hat es sich jetzt auf die Fahne geschrieben, alle "Entmieteten" zu rächen. Das "Peng!"-Kollektiv startete am Montag eine Aktion gegen die Verdrängung.

Dazu wurde ein Bot programmiert, mehrmals täglich unter unterschiedlichen Nummern bei denjenigen Privatvermietern und Immobilienfirmen anzurufen, die ihre Mieter aus Profitgier vor die Tür gesetzt haben. Dann läuft ein Band ab, das vorher von Schauspielern besprochen wurde, um die Vermieter mit den Einzelschicksalen zu konfrontieren.

"Viele dieser Geschichten gehen unsichtbar über die Bühne. Die Verantwortlichen können wegschauen und sich bereichern, während die Entmieteten mit ihrer Wut und mit der Wohnungsnot alleine zurückbleiben", so Nora Moll vom Peng! Kollektiv.

Das Kollektiv will mit Telefon-Terror auf die Schicksale der "Entmieteten" aufmerksam machen

Das Kollektiv tyrannisiert Vermieter.
Das Kollektiv tyrannisiert Vermieter.  © 123RF

"Mit dieser Aktion wollen wir dieses ächendeckende, strukturelle Problem durch persönliche Geschichten sicht- und hörbar machen. Das Machtverhältnis zwischen Entmieter und Entmieteten wird – wenigstens kurzzeitig – umgekehrt. Diejenigen, die von ihren Vermietern massiv unter Druck gesetzt wurden und einem Gefühl der Ohnmacht ausgeliefert waren, können jetzt ihre Stimme erheben. Wohnen darf keine Ware sein."

Die Entmieteten kehren sozusagen zurück und erzählen den Vermietern ihre Geschichten. Unter diesen befindet sich auch eine aus Leipzig. Die Mieter der Jahnallee 14 fühlten sich von ihrem Vermieter herausgeekelt. Sieben Wochen lang gab es keine Heizung. Die Hausverwaltung versuchte, sich gesetzwidrig Zutritt zu den Wohnungen zu verschaffen. Außerdem habe sie die Mieter mit Anrufen zu Unzeiten tyrannisiert, bedroht und mit einer Räumungsklage, die später zurückgezogen wurde, bedroht.

Aus "Rache" wird sowohl diese Hausverwaltung, als auch Vermieter aus Berlin und Frankfurt (Main) geplagt. Bereits am ersten Tag erhielten sie dutzende Anrufe von "Haunted Landlord - Die Rückkehr der Entmieteten".

Titelfoto: 123RF


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