Diese Frau steht noch auf Postkarten

Ihre Freude am Kartenschreiben und an alten Stoffresten verbindet Judith Herschel (52) zu einem Hobby: Sie entwirft Stoff-Postkarten.
Ihre Freude am Kartenschreiben und an alten Stoffresten verbindet Judith Herschel (52) zu einem Hobby: Sie entwirft Stoff-Postkarten.  © Picture Point/Kerstin Kummer

Leipzig - Dieser Gruß ist einfach viel wärmer! Judith Herschel (52) setzt der kalt wirkenden E-Post ihre sinnliche Erlebnispostkarte entgegen. Denn die kann man fühlen und sie ist etwas fürs Auge.

Die künstlerisch angehauchte Werbemanagerin kreiert aus Großmutters Kostümen, Opas Krawatten oder aus Tischdecken von der Tante bunte Stoffpostkarten.

Ja, sie bekennt sich zum Kartenschreiben. "Wenn ich im Urlaub bin, liebe ich es, im Café zu sitzen und rund 40 Ansichtskarten zu schreiben", erzählt Judith Herschel.

Die Leipzigerin mag die langsamen Info-Rituale von einst. Genauso schwärmt sie von schönen Stoffen und aufwendigen Mustern längst vergangener Tage. Beide Vorlieben brachte sie wie Nadel und Faden zusammen.

Um ein stichhaltiges Ergebnis zu bekommen, probierte Judith Herschel alle möglichen Stoffe aus. "Baumwolle, Viskose und Mischgewebe sind ideal", weiß sie inzwischen.

Die Grußkarte mit dem Wintermotiv gehört zu ihren Lieblingskreationen.
Die Grußkarte mit dem Wintermotiv gehört zu ihren Lieblingskreationen.  © Picture Point/Kerstin Kummer

"Polyester und Seide eigenen sich dagegen nicht so." Sie freut sich besonders über Karten, die auch den Tastsinn sensibilisieren. "Dafür nehme ich Cord, Samt, Frottee und Buklee."

Der Clou: Auch die Adresszeilen näht sie liebevoll mit der Maschine auf. Das hat sich die temperamentvolle Leipzigerin inzwischen schützen lassen. Die erste Textil-Botschaft schrieb sie an sich selbst, um zu überprüfen, ob die ungewöhnliche Karte auch problemlos befördert wird.

Nachdem das klappte, geht bei ihr die Post ab. Judith Herschel sensibilisiert Freunde und Bekannte dafür, Stoffe mit der gewissen Patina aufzuheben, streift über Trödelmärkte, zieht durch Antiquariate. Sie lässt die Stoffe reinigen, bügelt und verarbeitet sie nach Lust und Laune.

Täglich fertigt sie zur Entspannung mehrere Karten und verkauft sie nun deutschlandweit vor allem in Galerien von Frankfurt/Main über Leipzig bis Erfurt und auf diversen Designermärkten. Kontakt: www.stoffpost.de

Ob aus Handtüchern, Tischdecken oder Rockzipfeln: Alle alten Textilien können einen neuen Sinn erhalten.
Ob aus Handtüchern, Tischdecken oder Rockzipfeln: Alle alten Textilien können einen neuen Sinn erhalten.  © Picture Point/Kerstin Kummer

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