Dieser Milchbubi soll Sachsens schlimmster Drogendealer sein

Max S. drohen bis zu 15 Jahre Haft, wenn er nach dem Erwachsenenstrafrecht verurteilt wird.
Max S. drohen bis zu 15 Jahre Haft, wenn er nach dem Erwachsenenstrafrecht verurteilt wird.

Von Alexander Bischoff

Leipzig - Milchbubi-Gesicht, Igelschnitt, unsicheres Lächeln - vor Gericht wirkt Max S. (20) wie ein kleiner Schokoladen-Dieb. Doch glaubt man der Staatsanwaltschaft, war dieser Jungspund Sachsens schlimmster Drogendealer.

Von seinem Kinderzimmer aus soll er knapp eine Tonne diverser Rauschmittel gehandelt, so über vier Millionen Euro umgesetzt haben. Am Dienstag war Prozessbeginn.

Nein, reden will Max S. vorerst nicht. Erst soll sein Anwalt Stefan Costabel in Hinterzimmergesprächen beim Gericht ausloten, wie viel Strafrabatt ein Geständnis bringen würde und ob das mildere Jugendstrafrecht (Maximalstrafe: 10 Jahre Gefängnis) zur Anwendung kommen könne.

Sein Auftreten vor Gericht passt so gar nicht zu den Machenschaften, die ihm vorgeworfen werden.
Sein Auftreten vor Gericht passt so gar nicht zu den Machenschaften, die ihm vorgeworfen werden.

Sonst drohen dem Realschulabsolvent mit der abgebrochenen Koch-Lehre bis zu 15 Jahre Haft, sollten sich die schweren Anklagevorwürfe bestätigen.

Insgesamt 914 Kilo Kokain, Haschisch, Crystal, LSD und zigtausende Pillen diverser verschreibungspflichtiger Narkose-, Schmerz- und Psychomittel soll Max S. zwischen Dezember 2013 und Februar 2015 übers Internet gehandelt haben.

Sogar das Sexualhormon Testosteron hatte er im Angebot.

Sein erst im Darknet, später im offenen Internet agierendes Drogenkaufhaus hieß „Shiny Flakes“ („Glänzende Flocken“). Der wirkliche Handelsplatz war jedoch sein 15 qm großes Kinderzimmer in der elterlichen Wohnung.

Das sei immer verschlossen gewesen, hatte Max‘ Mutter Carmen S. (48) im Verfahren ausgesagt.

Überhaupt wahrte der Drogen-Millionär nach außen hin eine völlig unauffällige Milchbubi-Fassade. Er hatte weder Freundin noch Auto, feierte keine Partys. Immer mal wieder unterstützte die Mama ihren Filius mit einem 20-Euro-Schein.

Um so geschockter muss sie gewesen sein, als Polizisten bei der Razzia im Februar im Zimmer des Sohnemanns neben 314 Kilo Drogen noch 48.000 Euro in bar entdeckten. Der Prozess wird fortgesetzt.

Fotos: Ralf Seegers


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