Drohende Gießerei-Schließung: Wo bleibt die Hilfe von Minister Dulig?

Leipzig - Sie wollen sich nicht kampflos ihrem Schicksal ergeben: Rund 300 Schichtarbeiter der von der Schließung bedrohten Halberg-Gießerei sind gestern in den Warnstreik getreten. Herbe Kritik gab es an Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD).

Hatte Unterstützung von Wirtschaftsminister Martin Dulig (l.) erwartet, wurde aber enttäuscht: Thomas Jürs (r.), Betriebsratschef der Halberg-Gießerei Leipzig.
Hatte Unterstützung von Wirtschaftsminister Martin Dulig (l.) erwartet, wurde aber enttäuscht: Thomas Jürs (r.), Betriebsratschef der Halberg-Gießerei Leipzig.  © Ove Landgraf/Ralf Seegers

Als Thomas Jürs (45) vor fünf Wochen auf dem Arbeitnehmerempfang von Staatsminister Dulig war, da hörte er hoffnungsvolle Worte. "Er hat uns versprochen, dass er uns unterstützen wird", erzählt der Leipziger Halberg-Betriebsratschef.

Als diese Woche am Halberg-Stammsitz in Saarbrücken die Verhandlungen zur Zukunft des sächsischen Standortes liefen, war von Duligs Ministerium allerdings niemand zu sehen. "Es ist schon bitter, wenn die Landesregierung des Saarlandes zu solch einem wichtigen Termin, wo es um hunderte Arbeitsplätze geht, einen Staatssekretär schickt und von der sächsischen Staatsregierung sich niemand dort blicken lässt", kritisiert Jürs.

Auch, dass der sonst fast stündlich auf Twitter und Facebook präsente Dulig fast zwei Tage lang keine Worte zur drohenden Halberg-Schließung fand, erst gestern Nachmittag in einer kurzen Erklärung seine "große Sorge" zum Ausdruck brachte, stößt den Gießereiarbeitern auf.

"Sonntagsredner" war im Pulk der Streikenden noch die vornehmste Bezeichnung für den SPD-Politiker. Auf TAG24-Anfrage erklärte ein Ministeriumssprecher, dass Dulig zwei Tage auf Dienstreise in Polen gewesen sei. "Die Ansprüche der Beschäftigten müssen gesichert werden, deshalb sind die Forderungen nach einem Sozialtarifvertrag gerechtfertigt", heißt es in seiner am Nachmittag verbreiteten Erklärung.

Doch auch ohne Unterstützung aus Dresden wollen Betriebsrat und IG Metall weiter um die rund 700 Arbeitsplätze kämpfen. Montag ist erneut Warnstreik. "Scheitern die Sozialtarifverhandlungen, kommt es am Mittwoch zur Urabstimmung über einen unbefristeten Streik, der dann auch Volkswagen trifft", kündigte Leipzigs IG Metall-Chef Bernd Kruppa gestern an.

Sie wollen das "Unmögliche" und ihren Standort erhalten - rund 300 Schichtarbeiter der Leipziger Halberg-Gießerei traten gestern in einen Warnstreik.
Sie wollen das "Unmögliche" und ihren Standort erhalten - rund 300 Schichtarbeiter der Leipziger Halberg-Gießerei traten gestern in einen Warnstreik.  © Ralf Seegers

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