Leipziger Größenwahn? Stadt lässt Fledermaustürme prüfen

Leipzig - Sie stehen seit 50 Jahren vor der Ausrottung, in Deutschland unter Naturschutz und sollen nun nach Meinung der Stadträtin Ute Elisabeth Gabelmann (Piratenpartei)neue Behausungen erhalten. Die Leipziger Verwaltung lässt deswegen Standorte zur Errichtung sogenannter Fledermaustürmen prüfen.

Sobald Praxiserfahrungen zu den Fledermaustürmen vorliegen, könnten diese als Ersatzquartiere im Leipziger Stadtgebiet in Frage kommen.
Sobald Praxiserfahrungen zu den Fledermaustürmen vorliegen, könnten diese als Ersatzquartiere im Leipziger Stadtgebiet in Frage kommen.

"Der Straßenverkehr stört ihr Ortungssystem und durch die Landwirtschaft zerstören wir mehr und mehr ihren Lebensraum", sagte Gabelmann während der Stadtratsitzung am Mittwoch. Darüber hinaus würden die Tiere durch mit Chemie belastete Insekten geschwächt, "was ihre Nahrungsquelle ist", so die Stadträtin.

Gabelmann hatte deswegen zunächst in einem eigenen Beschlussvorschlag die Prüfung von Standorten gefordert. Die Finanzierung und Errichtung könne über entsprechende Kompensationsmaßnahmen oder in Zusammenarbeit mit örtlichen Tier- und Naturschutzinitiativen erfolgen, heißt es darin. Die Stadt hatte den Beschluss daraufhin mit einem Alternativvorschlag abgeschwächt.

"Den Leipzigern wird zurecht immer etwas Größenwahn nachgesagt", erklärte Linken-Stadtrat Siegfried Schlegel. Bisher habe der Stadtrat aber immer Augenmaß bewiesen.

Dem Beschluss der Stadt zufolge entwickelt derzeit die TU Braunschweig einen Fledermausturm. Die kosten sollen bei maximal 20.000 bis 25.000 Euro liegen. "Es geht auch viele Nummern kleiner. Für das gleiche gleiche Geld kann man viele Nistmöglichkeiten für unterschiedliche Tierarten schaffen", so Schlegel. "Aus unserer Sicht bedarf es keines solchen Antrages."

Der Stadtrat stimmte dem Beschluss dennoch einstimmig zu. Derzeit gebe es noch keine Praxiserfahrungen zu dem Entwurf der TU Braunschweig. Sobald diese vorliegen, "können gegebenenfalls Fledermaustürme als Ersatzquartiere im Stadtgebiet von Leipzig in Frage kommen", so der Beschluss.

Titelfoto: dpa/Archivbild


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