Flugreisende geprellt? Anwälte fordern Freispruch für Unister-Manager

Unistererzielte aber hinter den Kulissen niedrigere Preise und behielt die Differenz ein.
Unistererzielte aber hinter den Kulissen niedrigere Preise und behielt die Differenz ein.  © DPA

Leipzig - Im Betrugsprozess um das insolvente Internet-Unternehmen Unister hat die Verteidigung Freispruch für die beiden angeklagten Ex-Manager gefordert.

Die Beschuldigten hätten nicht gegen Gesetze verstoßen, sagten ihre Rechtsanwälte am Mittwoch im Leipziger Landgericht. Die Urteile sollen am Montag gesprochen werden.

Für den Fall eines Schuldspruchs kündigte einer der Anwälte schon jetzt Revision an. Der Rechtsstreit um Unister und seine Reiseportale wie fluege.de und ab-in-den-urlaub.de könnte also noch den Bundesgerichtshof in Karlsruhe beschäftigen.

In dem seit Januar laufenden Verfahren geht es darum, ob die Manager bei Unister betrogen, unerlaubt Versicherungsgeschäfte betrieben und Steuern hinterzogen haben. Das Unternehmen meldete 2016 Insolvenz an. Der Gründer Thomas Wagner starb im vergangenen Sommer bei einem Flugzeugabsturz.

Die Anklage gehe zwar davon aus, dass Unister-Kunden in Zehntausenden Fällen bei Flugbuchungen um Geld betrogen worden seien, sagte Rechtsanwalt Arndt Hohnstädter, der den ehemaligen Finanzchef der Firma vertritt. Es habe aber kein einziger der angeblich geprellten Kunden Anzeige erstattet.

Unister-Gründer Thomas Wagner starb im Sommer 2016 bei einem tragischen Flugzeugabsturz.
Unister-Gründer Thomas Wagner starb im Sommer 2016 bei einem tragischen Flugzeugabsturz.  © DPA

"Ich habe also 87.000 Straftaten, aber niemanden, der sich geschädigt fühlt." Die Staatsanwaltschaft fordert für den Angeklagten eine Bewährungsstrafe von zwei Jahren, unter anderem wegen banden- und gewerbsmäßigen Betrugs.

Die Betrugsvorwürfe beziehen sich auf die von dem Ex-Finanzchef mutmaßlich mitgetragene Praxis des "Runterbuchens". Dabei kauften Kunden über Unister-Portale Flugtickets zu einem online angezeigten Preis, Unister erzielte aber hinter den Kulissen niedrigere Preise und behielt die Differenz ein.

Das "Runterbuchen" sei branchenüblich und bei Unister nur in 1,2 Prozent der vermittelten Flüge praktiziert worden, betonte Rechtsanwalt Thomas Filler, der den früheren Leiter des Bereichs "Flug" bei Unister vertritt. Es gebe auch kein kriminelles Motiv: Sein Mandant habe keinen Cent extra mit der Praxis verdient. Die geforderte zweieinhalbjährige Haftstrafe für seinen Mandanten sei daher unverhältnismäßig.

Neben den Betrugsvorwürfen beschäftigt das Gericht auch die Frage, ob Unister mit den Produkten "Flexifly" und "Stornoschutz" unerlaubte Versicherungsgeschäfte betrieben und Versicherungssteuern hinterzogen hat. Damit konnten sich Kunden gegen Kosten bei Umbuchungen oder Stornierungen absichern.


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